6.0! Heftiges Kaufbeben auf der nach oben offenen Konsumskala!

28. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(Glosse von Frank Meyer) Morgens um Acht in Deutschland. Ein Donnerschlag riss den Autor dieser Zeilen aus seinem Bett. Das Konsumklima ist so gut wie seit einem Jahr nicht mehr, brüllte das Radio, obwohl ich es gar nicht angeschaltet hatte. Eine kurze Einschätzung zur Lage an der Konsumfront…

Herzliche Grüße aus der Zentrale zur Umleitung verirrter Kometen. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat die Barrierefreiheit meines Radios erfolgreich überwunden. Es wäre verwunderlich, wenn gute Laune demnächst nicht auch über Stromleitungen und Wasserrohre geliefert würde.

Kaufrausch-Alarm!

Die Aufregung war groß. Die Begründungen erstaunlich. Nach kurzer Recherche wurde aber klar, dass sind Spekulanten ans Werk gegangen. Wir lesen, dass die Verbraucher auf hohe Tarifabschlüsse setzen. Und so geben sie heute schon das aus, was später niemals im Geldbeutel ankommen wird. Bei den Schlagzeilen der letzten Tage verwundert es ja nicht, dass die Zahl der gefühlten Fluglotsen und Vorfeldarbeiter dramatisch angestiegen ist. Leider werden wir nie erfahren, wer die 2.000 Leute waren, die für die Umfrage kurzzeitig entführt worden sind.

Der Klimaindex stieg ohne wenn und aber von 5.9 auf 6.0 Punkte – nicht zu verwechseln mit der offenen Richterskala zur Erdbebenmessung. Über Opfer und Verletzte in den Regalen von Supermärkten liegen noch keine Berichte vor.

Doch eines ist unbestreitbar: Die Verbraucher fahren froh gelaunt zur Tankstelle, überweisen euphorisch ihre Stromrechnungen und Steuerbescheide, geben bei der GEZ ihr 12. Fernsehgerät an und langen vor allem selbstbewusst tiefer in die Tasche wie Metzger in den Fleischwolf. Manche legen schon Winkelemente bereit, denn die Konjunktur sehen sie etwas skeptischer. Dies dürfte auf ein kritisch gewordenes Expertenversagen aus den Abteilungen für Gesundbetung zurückzuführen sein. Kontrolle zur alternativen Umsetzung der bestehenden Hausmeinung wäre in dieser Hinsicht jetzt angebracht.

Eine Spontanumfrage unseres Blog-Meinungs-Bildungs-Kommitees (BMBK) im Anschluss an die Neuigkeiten wollen wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten…

Erika P. aus der Straße der Republik:

Wir geben Geld aus, um einen persönlichen Beitrag zum Aufschwung zu leisten. Es ist heute meine Bürgerpflicht, die grünen Pflänzchen der Konjunktur zu optimieren. Man fühlt sich zudem besser, wenn man sich heute wieder eine Zweit-Banane leisten kann.

Sigrid K. aus der Straße des Optimismus:

Durch den Kauf einer zweiten Feinstrumpfhose bei Aldi habe ich meinen Beitrag für mehr Glück in diesem Land geleistet. Mein Mann wird heute Abend staunen. Ich habe mich heute in Stimmung geshoppt.

Andreas C. hatte es eilig und rief aus seinem Super-Van 6.0 folgende Botschaft in unsere Mikrofone „Wir von hier hören den Kaufrauschsender auf Kanal 4“, drehte seine Anlage lauter und bog mit 80 Sachen in die verkehrsberuhigte Zone des Wohnviertels „Roter Komsol“.

Gerlinde K. vom Trichet-Platz brach unser Blitzinterview wegen eines heftigen Anfalls ihrer Freudentränendrüse kurzerhand ab. Wir riefen den Notarzt und die Feuerwehr zur Bekämpfung der Überschwemmung.


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6 Kommentare auf "6.0! Heftiges Kaufbeben auf der nach oben offenen Konsumskala!"

  1. DCWorld sagt:

    Morgens um halb zehn in Deutschland, da war noch Knopperszeit. Die Verbraucher sind hin und her gerissen zwischen Reallohnzuwachs und Kaufkraftverlust, wenn man die immer wieder wechselnden Artikel zu diesem Thema liest.

    Und doch schaffen sie es, den Wirtschaftsmotor auf Touren zu bringen. Wenn die Kauflaune wo weitergeht muss Deutschland seinen Titel als Export-Vize-Weltmeister abgeben. Denn bald sind wir nicht mehr ein Exportland sondern das fleißig produziert, sondern nach amerikanischen Vorbild, nur noch ein konsumfreudiges Völkchen mit einem unbändigen Kaufwillen.

    Es könnte sich vielleicht schon um den gefürchteten Crack-up-Boom handeln.
    http://www.start-trading.de/blog/2012/02/15/hat-der-crack-up-boom-begonnen/

  2. crunchy sagt:

    …Einfach mal weggelacht! DeStatis bleibt sich treu. Auch wenn diese selbst über gefällige Erhebungsmethoden verfügen. Vereinzelt hört man aber von sagenhaften Umsätzen im Einzelhandel mit Edelmetallen… !(Für alle, die schon genug Edeluhren haben.)
    Leider darf NTV die eingeladenen Einzelhandelsanalysten nicht fragen, wieso die GfK-Erhebung mit der Statistik regelmässig kollidiert.
    Der letzte Händler, der an GfK glaubte, war Schlecker.

  3. gilga sagt:

    „Der Klimaindex stieg ohne wenn und aber von 5.9 auf 6.0 Punkte“

    Aber, aber Frank, das ist doch ein Anstieg von fast 2%! Sagenhaft! Und das obwohl die Benzin- und Dieselpreise im Vergleichszeitraum um weit mehr als 2% gestiegen sind! Eigentlich müsste der Index doch bei mindestens 10 stehen? Oder erwartet jemand, dass wir in Zukunft nicht noch viel mehr Geld für Energie „verkonsumieren“ werden?

    • Frank Meyer sagt:

      Das ist in der Tat erstaunlich. Wenn man tiefer in die Taschen greifen muss, steigt der Index. Legt man den GfK mit den EH-Umsätzen übereinander, vertragen die sich so wie Hund und Katz. Der eine springt, der andere liegt tot auf dem Teppichvorleger. Doch zur Unterstützung des Optimismus (Mangel an Information) finde ich den GfK-Index immer erheiternd, da erfreulich. Und wenn angeblich der Nachbar an zu rennen fängt, in einem Anfang von Shoppingwahn, weil sein Nachbar wiederum angeblich davon befallen wird, dann rennen ich natürlich auch los. Die Kommunikation zwischen uns dreien passiert ja in der Realität nur über die Medien.. 🙂 So und jetzt kaufe ich mir zur Feier des Tages einen 17. Drucker.

      • gilga sagt:

        Ich glaube sowieso nur noch harten Zahlen und keinen Umfrage/XKlimaIndizes/… und das auch nur nach der unvermeidlichen Revision/Korrektur/… ein paar Woche nach Veröffentlichung (die USA sind da mal wieder führend).

        „So und jetzt kaufe ich mir zur Feier des Tages einen 17. Drucker“

        Am Besten noch jede Menge Papier dazu und dann das Internet ausdrucken. Das steigert den Umsatz noch mehr. 😉

        Ein Klasse Beitrag in verwandter Richtung war gestern übrigens auf zerohedge: „Extend And Pretend Coming To An End“
        http://www.zerohedge.com/news/guest-post-extend-and-pretend-coming-end

        „Total retail square feet in the U.S. tops 14.2 billion, or 46 square feet for every man, woman and child in the country.“
        Amerika halt: Think big!

        PS: Ich bin sehr gespannt auf morgen…

  4. […] Rott & Meyer: 6.0! Heftiges Kaufbeben auf der nach oben offenen Konsumskala! […]

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