Fünf Euro Pro Stunde? Boom ist Boom.

16. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Wie wunderbar hat dieses Jahr doch wieder angefangen. Nachdem der Aufschwung offiziell nun immer breitere Massen erfasst, und der Binnenkonsum über dort gestiegene Preise maßgebliche Beiträge zu Stützung der Konjunktur leistet, dürfte auch der Boom der Aprilscherze einen neuen Rekord feiern. Feiern Sie mit!

Rosa ist übrigens die Farbe es Jahres. Wussten Sie das? Immer wenn ich Nachrichten konsumiere, verfärbt sich die Umgebung in diesem Farbton. Man bekommt es nur schlecht wieder aus den Klamotten, der Sitzgarnitur und von den Tischen gewischt. Welchen Spezialreiniger sollte man für diese Fälle bereit halten? Keine Ahnung.

Die Jubelmeldungen der letzten Monate stehen ganz im Gegensatz zu dem, was man im Alltag beobachtet. Die Qualität dieses Dingsda, Aufschwung mag ich es nicht nennen, scheint brüchiger zu sein als manches Nervenkostüm. Nach einer Studie der Universität Duisburg-Essen arbeitete 2010 fast ein Viertel der rund 40 Millionen Beschäftigten im sogenannten Billiglohn-Sektor. Inklusive der Studenten und Rentner sind das immerhin 7,9 Millionen Leute. Im Westen werden durchschnittlich 6,68 Euro bezahlt und im Osten dieses Landes immerhin 6,52 Euro. Das waren früher mal 13 D-Mark. In dieser Angelegenheit wächst zusammen, was zusammen gehört. Und dabei haben wir vom Euro so profitiert. Nicht wahr?

Über diese „unter-üppigen“ Löhne konnten immerhin 4,1 Millionen Beschäftige glücklich sein bzw. 12 Prozent aller Beschäftigten 1,4 Millionen Beschäftigte bekommen sogar weniger als fünf Euro pro Stunde. Die Zahlen der Studie erscheinen real und decken sich mit dem, was man da draußen so sieht und hört. Für die Studie wurden übrigens 12.000 Privathaushalte befragt. (Quelle)

Quelle: IAQ-Report

Aufschwung, wir lieben Dich!

Kein Wunder, dass die Bundesregierung mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro ihre Probleme hat, bedeutet er doch gewaltige Lohnerhöhungen, welche den Aufschwung, den es gar nicht gibt, abrupt abwürgen dürfte. Jeder fünfte Billigjobber hätte Anspruch auf Lohnerhöhung in Dimensionen von Frankfurter Vorfeldarbeitern. Zudem würde ein Mindestlohn die Erfolge der „Maßnahmen“ zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes bedrohen. Oh ja, denn zwischen 1995 und 2010 ist die Zahl der Beschäftigten im Land der Billiglöhne um 2,3 Millionen gestiegen, so die Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen… (—> Seite 2, denn alles bleibt besser!)

 

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22 Kommentare auf "Fünf Euro Pro Stunde? Boom ist Boom."

  1. Ashraf Khan sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer,

    erst einmal großes Kompliment für diesen Block. Ich liebe einfach Ihren Schreibstil, wie ich auch schon immer Ihre Kommentare auf n-tv gemocht habe.

    An dieser Stelle möchte ich allerdings Fragen, was Ihr Ausweg aus diesem Niedriglohn wäre. Ein Mindestlohn bewirkt, dass ein Teil der Jobs tatsächlich ein besseres Einkommen bringt, dafür werden einige gar nicht mehr gemacht (Putzfrau im eigenen Haus), andere schwarz oder da wo es möglich ist auch durch Maschinen. Bei einem Aufstocken des Gehaltes durch den Staat sehe ich wieder das Problem der Subventionierung, die das Wachstum an Arbeit in diesen Branchen und zu diesen niedrigen Löhnen wieder befeuert.

    Ich sehe das ähnlich wie Sie, von einer (und genau einer) Vollzeitstelle muss sich leben lassen, auch wenn man ein Kind hat. Allerdings frage ich mich, ob es nicht auch besser sein kann eine schlecht bezahlte Stelle zu haben als gar keine Arbeit, weil der Mensch an sich arbeiten will.

    Ich freue mich auf Ihre Antwort.

    • Frank Meyer sagt:

      Sie beschreiben das Problem voll umfänglich. Ich gebe zu, dass ich keinen einfachen Lösungsweg sehe. Die Eingriffe in den Markt seitens der Regierungen haben zu diesem Ausmaß geführt. Wir messen uns hier nun mit den Preisen, die wo anders gezahlt werden. Das ist die Kehrseite der Globalisierung. Wenn wir diesen aufgetürmten Reichtum im Ganzen auf Pump erzeugt haben, dann müssen wir wohl oder übel von diesem Niveau runter und den Gürtel viel viel enger schnallen. Gleichzeitig müssten hohe Gewinne auch stärker besteuert werden. Kapitalgewinne und Unternehmensgewinne werden oft niedriger besteuert als das Gehalt eines ganz normalen Arbeiters. Die Umverteilung müsste anders geregelt werden. Doch wer will das schon? Wir stehen dann trotzdem in Konkurrenz mit 1-EuroJobbern in Asien. Die Folgen der Globalisierung werden vielleicht sogar sein, dass wir uns hier und die Asiaten z.B. auf gleichen Niveau treffen. Das wird aber Ärger geben hierzulande. Schwierig Schwierig schwierig. Eine erschöpfende Antwort habe ich nicht, aber ich habe auch noch keine gesehen.

      • Ashraf Khan sagt:

        Ja, das sehe ich ähnlich. Egal wie man es dreht, es gibt ja auf der Erde nicht mehr zu verteilen und wenn die Asiaten mehr vom Kuchen haben wollen, was ihr gutes Recht ist, werden wir uns mit weniger begnügen müssen. Und das die sogenannte westliche Welt einfach so auf ihren gewohnten Wohlstand verzichtet glaube ich auch noch nicht.
        Dann sei mir aber noch die ketzerische Frage gestattet: „Warum über etwas schreiben, für das es sowieso keinen Ausweg gibt oder für den keiner gesehen wird?“. Die Frage stelle ich mir natürlich auch immer – warum mit dieser ganzen Misere beschäftigen, wenn ich eh nichts dran ändern kann. Mit Scheuklappen könnte man wohl besser schlafen 😉

        • Frank Meyer sagt:

          Ich will ein paar Fakten nach außen tragen, die die wenigsten kennen. Und ein paar Gedankenansätze. Deshalb schreibe ich eine Art von Tagebuch – und das öffentlich.
          Ich kann außerdem noch nicht davon ausgehen, dass es keine Lösung geben wird. 🙂 Mein Credo ist Selbstverantwortung neben Sparsamkeit und Bescheidenheit in materieller Hinsicht. Aber auch Spaß, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mich interessieren 🙂

      • Edwin Glaser sagt:

        Erschöpfende Antwort nicht, nur eine Idee für eine Richtung.

        Wir wollen 40 Stunden arbeiten, produzieren aber mit unserer Technologie in diesen 40 Stunden mehr als wir investieren und konsumieren wollen.

        Anfangs verschob die eine Hälfte der Deutschen zu viel Geld in Steuerspar- und Rentenfonds – Die Fonds mussten der anderen Hälfte uneinbringliche Konsumentenkredite geben. Funktioniert jetzt es nicht mehr.

        Da liegt ja eine einfache Lösung nahe. Wir brauchen eine arbeitsintensivere Technologie.

        Vielleicht liegt hier das Geheimnis des isländischen Turnarounds? Als die effiziente Banken- und Import-Wirtschaft zusammenbrach, kehrten die Isländer zu den alten arbeitsintensiven Technologien zurück?

        • Ashraf Khan sagt:

          Ich denke schon, dass arbeitsintensivere Technologien eine Möglichkeit wären, man würde eben vor allem die Energierohstoffe durch menschliche Arbeit substituieren. Allerdings würde das wohl auch zu einer Verringerung des Wohlstandes führen und das ist schwer zu vermitteln, wenn man gewählt werden will. Da zeigt auch das Beispiel Island, dass man vermutlich zunächst einen heftigen Zusammenbruch erleben muss, bevor das machbar ist. Aber wir sind ja schon auf dem Weg dahin^^

          • Avantgarde sagt:

            Island ist an seiner starken Krone und den hohen Zinsen gescheitert.
            So viel Geld wie die Japaner und Amis da angelegt haben…
            Was sollten die Isländer auch damit machen? Sie konnten gar nichts damit anfangen in diesem kleinen Land mit etwas Wahlfang.
            Der Zusammenbruch war absehbar.

      • Avantgarde sagt:

        Vielen Dank für diesen Artikel!
        Dieses Probelm betrifft eine breite Schicht, und jeder der denkt es sei weit weg könnte der nächste sein.

        Tatsächlich übt die Globalisierung einen ungeheuerlichen Druck auf die Kosten aus – das ist von der anderen Seite betrachtet sogar gewollt – nennt man dann Effizienz. Hohe Preise dort und niedrige Löhne dort sind die Rendite.

        Freilich – es gibt kein Patentrezept. Aber zumindest partielle mögliche Lösungen.
        Niemand wird zum Haareschneiden nach China fliegen, keiner wird den Brief auf dem Rumänischen Postamt abholen…
        Beim produzierenden Gewerbe sieht es z.T. etwas anders aus – je nach dem ob es Kapital oder Arbeitsintensiv ist.
        Jedoch auch hier sollten wir uns nich einbilden mit diktatorischen Staaten wie China konkurrieren zu können – was dort abläuft ist z.T. grauenhaft.
        Wobei selbst China für einige inzwischen zu teuer ist – sie ziehen weiter nach Thailand, Kamboscha…

        Eine bessere Verteilung ist in der Tat der Schlüssel – zumindest was das Lokale Umfeld eines Landes oder Kontinents wie Europa betrifft.
        Wenn nicht mehr die Arbeit sondern das Kapital im Vordergrund steht so muß dies auch entsprechend versteuert werden.
        Dabei muß man eigentlich gar nicht so sehr im Sinne des „Wegnehmens“ denken – ein wichtiger Schritt wäre das nachinflationäre Einkommen angemessen zu besteuern – und zwar ausdrücklich mit ALLEN Einkunftsarten, die das Steuerrecht kennt.
        Und nebenbei auch eine Finanztransaktionssteuer wäre ein äusserst wichtiger Schritt.

        Mindestlöhne bezahlen wir übrigens bereits – nur eben leider in Kombination aus H4+1Euro-Job.
        Damit bewirkt man lediglich eine Subventionierung einiger Unternehmer durch Steuermittel.
        Da MUSS etwas geschehen – und zwar im Interesse aller.

        Es wir wohl ein Traum bleiben…
        Aber wenn die Menschen endlich mal aufhören würden in Kategorien wie rechts/links zu denken. Da werden leider ständig Schubladen instrumentalisiert – und bei vielen klappt das leider auch 🙁
        Die Zeiten ändern sich und man muß Antworten auf die momentanen Herausforderungen finden.

        Nur am Rande – die Schweizer:
        http://www.heise.de/tp/artikel/36/36545/1.html
        Eine Sichtweise, die nicht so ins meist verbreitete Bild passt.

        Und ehrlich gesagt ist mir nicht klar wie jemand mit 5 oder 8 Euro Brutto überhaupt überleben kann.
        Und da wundert man sich, daß die normalen Menschen entweder keine Kinder mehr bekommen oder nur noch die, bei denen die Perspektive ohnehin bereits im Eimer ist.

        „Die Umverteilung müsste anders geregelt werden. Doch wer will das schon?“

        Das „Nicht-sehen-wollen“ mancher liegt vermutlich eher daran, daß das sogar beabsichtigt ist.
        Leider.

  2. Reiner Vogels sagt:

    Arbeitsintensivere Technologien können keine Lösung sein. Schließlich ist es doch gut, dass der technische Fortschritt uns von vielen schweißtreibenden und das Leben verkürzenden Arbeiten befreit hat. Es ist doch gut, dass man nicht mehr mit gebücktem Rücken unter brennender Frühsommersonne auf dem Rübenacker Reihe um Reihe von Hand hacken muss.

    Ich war mal begeistert von der Idee eines voraussetzungslosen Grundeinkommens. Heute fürchte ich aber, dass dann niemand mehr sich der Mühe unterziehen würde, z.B. Medizin zu studieren oder für andere Leute Handwerksdienstleistungen zu erbringen.

    Wenn es möglich wäre, Menschen durch andere als finanzielle Anreize zu motivieren, die nach wie vor notwendige Arbeit zu tun und auch lange und schwierige Ausbildungen zu absolvieren, wäre das voraussetzungslose Grundeinkommen der Königsweg. Vielleicht sollte man sich wirklich darüber Gedanken machen. Es gibt viele Menschen, die ehrenamtlich viel Arbeit leisten. Viele Menschen lassen sich motivieren. Ob das eines Tages reichen wird, weiß ich allerdings nicht.

    Einstweilen gibt es nur zweitbeste Lösungen. Den Mindestlohn halte ich für besser als das Aufstockermodell. Warum soll der Staat demjenigen, den ich meinen Rasen für 2,- Euro die Stunde schneiden lasse (hypothetisch, ich schneide meinen Rasen selbst), den Lohn aufstocken, damit ich Geld sparen kann? Allerdings kann der Mindestlohn dazu führen, dass Produktionen einfach in Billiglohnländer verlagert werden. Da muss man vorsichtig sein.

    • Edwin Glaser sagt:

      Da vertritt Konrad Lorenz eine Recht interessante Meinung.

      Er brachte ein Beispiel mit einer überfütterten Hauskatze, die immer noch anschleicht, Vögel fängt, aber nicht frisst. Behauptete, es gäbe einen „Arbeitstrieb“, der unter natürlichen Bedingungen nicht auffällt.

      Beobachte mal Büromenschen im Fitness-Center. Bezahlen für schweißtreibende Arbeit. Die Besserverdienenden haben Hier und Heute absurde Probleme.

      Und die Billigjobs? Was ist schlimmer? Ein Gehalt, von dem man sich keine Statussymbole kaufen kann? Oder das Gefühl, durch eine Maschine ersetzbar zu sein?

      Vielleicht ist die Diskussion über Grundeinkommen oder Aufstockermodell unsinnig. Vielleicht müssen wir uns überlegen, welches Niveau an Technologie zu unseren Trieben und unserer Moral passt. Einerseits; Was ist Betriebs- und Volkswirtschaftlich möglich. Andererseits; Wie viel anstrengende Arbeit wollen wir wirklich haben.

  3. jurnaljacke sagt:

    Hallo,
    das Problem sind doch am Billiglohn nicht die „Arbeitgeber“ sondern die Zwischenhändler, „Spekulanten“ mit dem Humankapital – die Zeitarbeitsfirmen. Wobei die Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirmen, meist zufällig, sehr enge verwandschaftliche Beziehungen zu Mitarbeiter(innen) der Arbeitsargentur haben. Somit zufällig an geschultes, gutes Humankapital herankommen. Würde man den Zeitarbeitern das komplette Entgeld zahlen, würde keiner mehr über Billiglohn sprechen. Aber die Zeitarbeit war ja nötig, weil unsere christlichen und sozailen Gutmenschen (Politiker, Gewerkschaften) das Arbeitsrecht/Kündigungsrecht vordergründig zu Gunsten der Arbeitnehmer verschoben haben. Jetzt kann es umgangen werden. Stellt man als Arbeitgeber Eine/n über 55 Jahre oder Behinderten ein – kann man praktisch nie mehr kündigen. Die schließen den Laden noch nach dem Chef zu. Mit Förderungen ü55 oder Zeitarbeit wird alles wieder umgangen. Danke!
    Ich war immer gegen Mindestlohn – bin es auch wenn der Markt funktionieren würde. Aber von Vollzeit nicht ohne „Amtshilfe“ leben können – das geht nicht. Diese Unterstützungen sind ja auch Steuergelder – es kommt nur nicht mehr soviel an wie eingezogen wurde.

    (hier fehlen ein par Kommas)

    schönes Wochenende!

  4. […] viaFünf Euro Pro Stunde? Boom ist Boom. Basta! | Rott & Meyer. Share| März 16, 2012 at 8:02 pm by admin Category: Arbeitsmarkt, Deutschland, Lügenpropaganda, Wirtschaft […]

  5. stonefights sagt:

    Mein persönlicher Lösungsfavorit innerhalb der eigenen Insel gegen eine globalisiert fortschreitenden Verarmung ist „Bildung“.

    Als Bavarian guy kann ich mich nur bei den Hohlmeiers dieser Welt bedanken, die z.B. G8 (8 stufiges Gymnasium) einführten, während ihre eigenen Kinder auf die Privatschule 9-10 Jahre liefen.

    Aber neben den vielen Politikern haben es auch viele Eltern nicht begriffen. Ohne Aussaat, keine Ernte.
    Dazu sagte mal Dieter Hildebrandt „Bildung kommt von Bildschirm. Wenn es von Buch käme, hieße es Buchung.“
    Dabei ist doch lt. Mark Twain Bildung „das, was übrigbleibt, wenn der letzte Dollar weg ist.“

    Also, bevor ich Mindest-Löhne und Grund-Einkommen noch die nächsten 20 Jahre unbefriedigend diskutiere, stimme ich lieber gleich für eine längerfristige aber dafür für mich nachhaltigere Lösung an.

    Grund- und Mindest-Bildungsstandard

    für JEDEN auf unserer noch Insel der Glückseeligen
    (z.B. staatl. finanzierte Nachhilfe, Betreuung, Ganztagsschule,
    bis jeder Nachkomme aus jeglicher sozialen Schicht mindestens den
    mittleren Bildungsabschluss erreicht…)

    Zugegeben, mir sind schon die Schwierigkeiten eines solchen Vorgehens im Detail klar, aber warum über das fast leere Glas Wasser (Mindest-Lohn, etc.) disktuieren, wenn es Lösungen für mehr Wasser gäbe.

    Wenn wir jedoch nicht nur unsere Insel ansprechen wollten, dann sind wir auf einer ganz anderen Ebene.
    Dann gölte es eben z.b. „Fair-Trade“-Waren zu kaufen und nicht mehr die Lidl-Jeans für 6 Euro aus Indien, selbst für unseren Mindestlohn-Sektor, denn es gibt immer einen, der weniger hat !
    Aber da müssten wir ja selber einschränkend „handeln“, da lieber wieder nur diskutieren über Aktien und Edelmetalle „handeln“ und eben „Niedriglohn“ .-)

    Nein, wir sind die Lösung, jeder selbst, nicht der Nachbar, der Blogger oder der Kommentator. Mal darüber nachdenken !
    Wie sagte mal ein nicht-amerikanischer Präsident: „We are change“.
    Zumindest inhaltlich ein richtiger Satz 🙂

    lg, stonefights

    • Avantgarde sagt:

      Aus der persönlichen Sichtweise des Individium hast Du freilich vollkommen Recht – und auch ein insgesamt gebildetes Volk ist positiv zu sehen.
      Das Problem ist nur, daß ein Volk eben nicht nur aus Ingenieuren, Ärzten, Lehrern….bestehen kann.
      Irgend jemand muß auch die Straße kehren und Zeitungen verteilen und putzen gehen.

      Da stellt sich zum einen die moralische Frage ob man die totale Ausbeutung will und zum anderen die kalt ökonomische.
      ALLE sind Nachfrager.

      Und hier ist das Probelm schlicht das, daß der besser verdienende das Geld eigentlich nicht so akut braucht und es anlegt. Anlage bedeutet immer Investitionsdruck oder Verschuldungsdruck – denn das Geld ist ja da.
      Und das sieht man seit geraumer Zeit an den Märkten….

      Bekommt die Putzfrau, Staßenfeger ein paar Euro mehr wird er sie sofort in den Kreislauf zurückgeben und wiederum Nachfrage schaffen.
      Der Konsum der letzten 10Jahre ist inflationsbereinigt flach wie ein Brett – eben auch ein Ausdruck dieses merkwürdigen Niedriglohnaufschwungs.

  6. Reiner Vogels sagt:

    Natürlich ist Bildung eine gute Sache. Neben dem bereits angesprochenen Problem, dass ein Volk eben nicht nur aus Supergebildeten besteht, sondern eben auch aus Menschen, die es trotz aller pädagogischen Anstrengungen einfach nicht lernen können, Differenzialgleichungen zu lösen oder die Statik einer Brücke zu berechnen, gibt es noch ein zusätzliches Problem:

    Der Mensch ist keine Maschine, die man einfach programmieren, das heißt, mit immer mehr Bildungsinput zu füllen brauchte, damit am Ende ein neuer Einstein oder Werner von Siemens herauskommt.

    Für Bildung und Erziehung von Kindern ist noch viel entscheidender die seelisch-charakterliche Bildung. Was hilft es, wenn jemand ein Abitur mit 1,0 macht, innerlich aber ein ungefestigter und zu Depressionen neigender Mensch ist?

    Vor diesem Hintergrund fürchte ich, dass die Tendenz unserer Politik, die Kindererziehung den Familien aus der Hand zu nehmen und sie in staatliche Einrichtungen zu verlagern, zutiefst kontraproduktiv ist.

    Es ist meine Überzeugung, dass Kinder am besten in intakten Familien heranwachsen und von Vater und Mutter in Liebe (!) erzogen und gebildet werden. Dann besteht eine gute Chance, dass sie, wenn sie denn erwachsen geworden sind, als optimistische, leistungsfähige, gebildete und zur Übernahme von Verantwortung bereite junge Menschen das entscheidende „Zukunftskapital“ der Gesellschaft sein können. Öffentliche Schulen sollen dabei helfen, da Eltern nicht alle Fachgebiete abdecken können. Das entspricht einfach der arbeitsteiligen Gesellschaft. Die Persönlichkeitsbildung aber können sie gewiss nicht so gut bewerkstelligen wie intakte Elternhäuser.

    Deshalb ist der Ruf nach mehr Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuung letztlich Gift für die Bildung. Die einzigen, die auf Dauer davon profitieren werden, dürften die Psychotherapeuten sein.

  7. Karl Napp sagt:

    Man könnte das von Frank Meyer problematisierte Thema auch anders formulieren: Wer profitiert eigentlich vom EURO?
    Der deutsche Steuerzahler in Gänze sicher nicht.
    Durch einen künstlich nach Unten manipulierten Wechselkurs zahlt der deutsche Durchschnittsbürger erst einmal für alle Importe, insbesondere Energie, viel zu viel. Dann zahlt er als Nettozahler seinen Steuerobulus in die Brüsseler Kassen. Durch die Öffnung des Arbeitsmarktes werden seine Löhne nach Unten gedrückt. Dabei scheut sich die Industrielobby noch nicht einmal davor dieses Spiel weiter zu betreiben. Der angebliche „Facharbeitermangel“ kommt nämlich dadurch zustande, dass man als offen bei der Arbeitsagentur gemeldete Stellen mit einem Faktor multipliziert. Bei Ingenieuren beträgt dieser über 7x. Angeblich seinen 7 mal mehr offene Stellen vorhanden als der Arbeitsagentur bekannt. Dieses Vorgehen kann man als willkürlich bezeichnen. Was dadurch erreicht werden soll, ist dass noch weitere Schritte seitens der Bundesregierung unternommen werden sollen, um den Zuzug von Fachareitern zu erleichtern, weil ansonsten angeblich das Wachstum leide. In Wirklich soll das Lohnniveau weiter gedrückt werden.
    Als Krönung des Ganzen darf der deutsche Steuerzahler jetzt noch die Rettung bankrotter Staaten zahlen.
    Wer profitiert eigentlich vom EURO?

  8. wanderer sagt:

    Die Thematik kann man mit einer Analogie gleichsetzen – die Karre steckt so tief im Dreck, wir müssen sie aufgeben aber die Inhalte retten. Und was dann? Alles nochmal von vorn? Alles wie gehabt? Das kann nicht der Weisheit letzter Schluß sein.

    Um die weltweiten Probleme zu lösen (es ist nämlich kein lokales Problem) bedarf es einer anderen Herangehensweise. Althergebrachtes funktioniert in dieser Welt nicht mehr. Die ewige Flickschusterei wird am Ende noch mehr Regulierung und noch mehr Unterdrückung mit den daraus erwachsenen Konsequenzen ergeben.

    Wir benötigen einen Paradigmenwechsel! Der Mensch ist keine Ware, ebensowenig ist seine Arbeitskraft eine Verhandlungsbasis. Ich habe schon oft Diskussionen verfolgt, in denen Bildung gegen Fleiß aufgewogen wurde. Erbärmlich! Wir brauchen keine 10.000 Gesetze sondern einfache Verhaltensregeln, ähnlich der 10 Gebote. Wir müssen erkennen wer oder was uns an diesen sprichwörtlichen Abgrund gebracht hat und dann erkennen wir auch, dass in einer Welt voller Idole kein Platz für Ideale ist.

    LG

  9. purity sagt:

    Ich bin für einen Mindestlohn.
    Unternehmen A bezahlt nach Tarif. Unternehmen B bezahlt Dumpinglöhne und hat daher einen Wettbewerbsvorteil. Es kann nicht sein, dass der Wettbewerb auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen wird.
    Ich bin gespannt, ob dann die Menschen im Osten die Haare in China schneiden lassen 😀 Klar, kann das in der Produktion Arbeitsplätze kosten, aber wer sind denn die viele Billigjobber?
    Und das ist auch eine ungesunde Entwicklung:
    http://www.bpb.de/wissen/U4CJQA,0,Verm%EF%BF%BDgensverteilung.html

    • Avantgarde sagt:

      Die verlinkte Seite ist Pflichtlektüre fürs Grundverständnis.

      Die Schuppen von den Augen fallen einem vor allem dann wenn man mal überlegt, was wohl bei all den angeblichen Erfolgsmeldungen wie z.B. dem „durchschnittlich gestiegenen Bruttovermögen“
      mal nachrechnen würde…..

      Einfach mal die oberen 10% beim allseits beliebten Durchschnittsrechnen weglassen – dann kommt man der Lebenswirklichkeit schon ein Stück näher.

      In Großbritannien wollen die Neoliberalen – nach dem alles andere an die „Investoren“ verschleudert wurde – jetzt sogar die POLIZEI privatisieren – nein das ist KEIN Witz oder Satire.
      http://www.guardian.co.uk/uk/2012/mar/02/police-privatisation-security-firms-crime

      Dann bekommen die Privaten auch noch das Gewaltmonopol und der Weg in die Diktatur ist kaum noch aufzuhalten 🙁
      Es ist echt zum K….

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