Fünf Euro Pro Stunde? Boom ist Boom.

16. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Wie wunderbar hat dieses Jahr doch wieder angefangen. Nachdem der Aufschwung offiziell nun immer breitere Massen erfasst, und der Binnenkonsum über dort gestiegene Preise maßgebliche Beiträge zu Stützung der Konjunktur leistet, dürfte auch der Boom der Aprilscherze einen neuen Rekord feiern. Feiern Sie mit!

Rosa ist übrigens die Farbe es Jahres. Wussten Sie das? Immer wenn ich Nachrichten konsumiere, verfärbt sich die Umgebung in diesem Farbton. Man bekommt es nur schlecht wieder aus den Klamotten, der Sitzgarnitur und von den Tischen gewischt. Welchen Spezialreiniger sollte man für diese Fälle bereit halten? Keine Ahnung.

Die Jubelmeldungen der letzten Monate stehen ganz im Gegensatz zu dem, was man im Alltag beobachtet. Die Qualität dieses Dingsda, Aufschwung mag ich es nicht nennen, scheint brüchiger zu sein als manches Nervenkostüm. Nach einer Studie der Universität Duisburg-Essen arbeitete 2010 fast ein Viertel der rund 40 Millionen Beschäftigten im sogenannten Billiglohn-Sektor. Inklusive der Studenten und Rentner sind das immerhin 7,9 Millionen Leute. Im Westen werden durchschnittlich 6,68 Euro bezahlt und im Osten dieses Landes immerhin 6,52 Euro. Das waren früher mal 13 D-Mark. In dieser Angelegenheit wächst zusammen, was zusammen gehört. Und dabei haben wir vom Euro so profitiert. Nicht wahr?

Über diese „unter-üppigen“ Löhne konnten immerhin 4,1 Millionen Beschäftige glücklich sein bzw. 12 Prozent aller Beschäftigten 1,4 Millionen Beschäftigte bekommen sogar weniger als fünf Euro pro Stunde. Die Zahlen der Studie erscheinen real und decken sich mit dem, was man da draußen so sieht und hört. Für die Studie wurden übrigens 12.000 Privathaushalte befragt. (Quelle)

Quelle: IAQ-Report

Aufschwung, wir lieben Dich!

Kein Wunder, dass die Bundesregierung mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro ihre Probleme hat, bedeutet er doch gewaltige Lohnerhöhungen, welche den Aufschwung, den es gar nicht gibt, abrupt abwürgen dürfte. Jeder fünfte Billigjobber hätte Anspruch auf Lohnerhöhung in Dimensionen von Frankfurter Vorfeldarbeitern. Zudem würde ein Mindestlohn die Erfolge der „Maßnahmen“ zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes bedrohen. Oh ja, denn zwischen 1995 und 2010 ist die Zahl der Beschäftigten im Land der Billiglöhne um 2,3 Millionen gestiegen, so die Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen… (—> Seite 2, denn alles bleibt besser!)

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