4.000 Euro für alle: Die Auf-Wrack-Prämie

27. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Oha, da gibt es ja wirklich was geschenkt! Eine Aufwrack-Prämie für Elektro-Autos. Die will und braucht zwar kein Mensch, aber wenn es dafür 5.000 Euro gibt? Dafür kann man sich schon mal blamieren…

Lohnen sich die Elektroautos bei den heutigen Strompreisen? Ich weiß es nicht. Doch der „Zehnjahresplan“ der Bundesregierung sieht vor, bis 2020 eine Million Fahrzeuge auf die Straßen zu bringen. 2015 wurden 12.363 davon zugelassen, nur niemand weiß, ob sich auch elektronische Krankenfahrstühle in der Statistik auffanden. E-Autos verkaufen sich wie saures Bier oder schwarze Seife. Dabei gibt es schon 30 sagenhaft tolle und verschiedene Modelle! Sie kommen nur nicht weit.

Bei 3,2 Millionen Zulassungen im letzten Jahr entspricht der E-Auto-Anteil stolzen 0,38 Prozent. Anders ausgedrückt: 99,6 Prozent der Deutschen haben den Ernst der Klimalage trotz aller staatlich bezahlten Überzeugungsarbeit noch nicht erkannt.

Ich stelle mir vor, jemand kauft eine Elektro-Nobel-Karosse und schafft es dann, aus dem Stand in drei Sekunden auf 150 Kilometer pro Sekunde zu beschleunigen. Das ist durchaus beeindruckend und auch noch geräuschlos. Aber wer will das schon? Und nach 50 Kilometern ist auch noch die Batterie leer. Sportlich ist eben sportlich!

Der Druck der Bundesregierung auf die Bundesregierung wächst, ihren Zehnjahresplan zu erfüllen. Im Osten haben sich die Oberen mit Fünfjahresplänen begnügt. Dieser wurde dann auch immer übererfüllt. Heute wird mit Steuergeld der Automarkt manipuliert, um die Ladenhüter unters Volk zu bringen. Wieso soll ich das E-Auto meines Nachbarn mit meinen Steuern subventionieren? Keine Ahnung!

Manchmal tankt solch ein Auto auch Atomstrom aus Frankreich, oder besser noch, aus Belgien. Tschernobyl ist ja immer noch abgeschaltet.

Konjunkturpaket Konsum Steuern

Erstaunlich, dass die Autos bislang niemand kauft. Dabei wurden sie so viel beworben. Viele Eisbären heulten den Atlantik voll. Eine Expertin sagte, man könne mit E-Autos so richtig Gas geben (!) Mancher nennt die neue Generation für die Freunde mit der Freude am Fahren auch „Stromer“. Witzig! Echte Stromer kommen viel weiter!

Hier in Gernsheim steht auch so eine Ladestation herum, ausgerechnet am Friedhof. Niemand weiß warum. Noch wie wurde ein Auto dort aufgetankt, wird gemunkelt. Okay, dann ist es eine Art von Denkmal. In der DDR wurden auch Lenin-Statuen hingestellt, die niemand besuchte.

Das letzte E-Auto habe ich vor zwei Jahren fahren sehen. Es hat sich von hinten an mich angeschlichen, dass ich fast auf dessen Kühlerhaube landete. Kühler-Haube? Da kühlt nichts mehr! Auch die Blumen am Wegrand wunderten sich, dass aus dem Auspuff nix zum Futtern rauskam.

Wieso kommt man eigentlich auf die Idee, den Leuten mit Zusatzgeld so eine Wattschüssel aufzuschwatzen, statt sie zu überzeugen, komplett aufs Auto zu verzichten? Ach, wegen der Bahn. Nein, das schaffen die nicht! Alle anderen Antworten würden jetzt jeden verunsichern und den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen.

Und was höre ich da? Die Grünen wollen jetzt (schon wieder) teure Sprintschleudern stärker besteuern. Aber welche Autos fahren die Grünen bzw. mit welchen Autos werden viele von ihnen sinnlos durch die Gegend gefahren?

Einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul. 4.000 Euro Fehlanreiz haben doch was. Damals bei der Abwrackprämie haben viele ihre fast neuen Autos verschrottet und extra einen Kredit aufgenommen inmitten einer Wirtschaftskrise. Tja, sowohl Wirtschaft als auch mit Geld zu wirtschaften wird heute nirgendwo mehr gelehrt. Zudem fährt es sich mit 4.000 geschenkten Euro viel besser. Aber wie weit? Zumindest plagt das durch hohen Medienkonsum schlechte Gewissen nicht mehr so sehr.

Nicht nur die Reichweite ist bei E-Autos aus dem #Neuland ein Problem, sondern auch ihre Geräuscharmut. Das passende Auto-Geräusch kommt künftig als Audio aus dem Lautsprecher. Man kann sich diese Autogeräusche dann bei www.motorenkrach.de aus dem Internet laden. Maserati – und Porsche-Motorentöne sind etwas teurer. Auch Trabant-Geräusche sind erhältlich, auch wenn sie den Duft eines Zweitakters vermissen lassen. Einmal in einem Auto mit Porsche-Klang sitzen. Das wäre es doch!

Auch die Gadget-Industrie wird feiern! Mit ein paar zusätzlichen Solarzellen auf dem Dach ist man ganz besonders clever und umweltbewusst. Die Batterie lädt sich damit von selbst auf, nach ungefähr drei Jahren. Ganz Kluge bauen einen Windpropeller für Extra-Strom aus dem Fahrtwind an ihren Außenspiegel. Damit kommt man einen halben Kilometer weiter, außer man schiebt.

 

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13 Kommentare auf "4.000 Euro für alle: Die Auf-Wrack-Prämie"

  1. Schubidu sagt:

    Grandios dieser Artikel. Wieder mal auf den Punkt gebracht!

  2. gfk1000 sagt:

    Kein Wunder, dass die Psychogesundheitsbranche brummt – nur diejenigen, die es am dringendsten benötigen verweigern die Therapie.

    Auch was mit der Menge an hochgiftigen Batterien passieren soll ist völlig unklar.
    Der Focus hat’s letztes Jahr auf den Punkt gebracht:

    Das Rohstoff-Problem
    Mit den Akkus gibt es leider noch ein weiteres Problem. Bei der Herstellung der Batterie werden im energieintensiven Produktionsprozess seltene Erden und Metalle genutzt, die aufwändig abgebaut werden müssen. Auch das Recycling der Batterie eines Elektroautos ist mit Kosten verbunden. Denn beim Stromer können giftige Flüssigkeiten nach Ende der Nutzungsdauer austreten. Da der Gesetzgeber eine Rückgewinnungsquote von 50 Prozent, gemessen am Gewicht, vorschreibt, wird derzeit fieberhaft an Recyclinganlagen gearbeitet, um das Lithium, Nickel und Kobalt zu recyceln.

  3. Insasse sagt:

    Kaum war die sozialistische Umverteilungsidee via 10-Jahresplan ins Gespräch gebracht, schon haben sich die „großen Umverteiler“ darauf geeinigt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/bundesregierung-beschliesst-4000-euro-kaufpraemie-fuer-elektroautos-a-1089499.html
    Mit 4.000 Euro fällt die Aufwrack-Prämie allerdings „geringer aus als gedacht“. Die Leute, die sich einen Tesla für 100.000 Euro kaufen wollen und sich dies auch ohne die Aufwrack-Prämie locker leisten können, können den zwangssubventionierten Kauf nun mit den gesparten 4.000 Euro im Ritz-Carlton ordentlich feiern. Sozialismus kann so schön sein…

  4. Rottweiler sagt:

    Wirklich grandioser Artikel!

    Wer rechnen kann, weiß außerdem, dass ein Elektroauto so um die 20 kWh pro 100 km verbraucht. Das macht beim stolzen deutschen Strompreis (Steuern und Industriegeschenke) von 25 ct/kWh über 5 Euro/100 km. Das ist kaum weniger als für ein aktuelles karbonbetriebenes Fahrzeug. Es besteht also in Deutschland keinerlei finanzieller Kaufanreiz über den Verbrauch. Ob das Absicht ist?

    Ich bin großer Befürworter von Elektromobiliät, wegen der Luftqualität und der geopolitischen Unabhängigkeit vom Rohöl. Die Prämie soll nicht für Autos über 60k€ Kaufpreis bezahlt werden. Batterien werden schon seit Jahrzehnten exzellent recycelt. Selbst Kohlestrom ist in Summe sauberer als die Diesel da draußen, die erst mal 20 Minuten warmlaufen müssen um zu filtern. In den 20 Minuten sind schon 80% der Leute an ihrem täglichen Ziel. Es ist leichter an einem festen Standort mit mehreren großen Filteranlagen die Luft zu säubern, als in millionen mobilen Miniaturfiltern.

    In Norwegen sind heute schon 25% des Fuhrparks Elektroautos und das Land ist Erdölexporteur! Willkommen im Jahr 2016.

    Die Prämie führt natürlich zu Fehlanreizen, aber die Bundesregierung wurde von ihren eigenen Beschlüssen überrascht, dass bis 2020 eine Millionen Elektroautos zugelassen sein sollen. Jetzt wird versucht anstatt mit einer langfristige Strategie, das Ziel mit einem Haufen Geld zu erreichen.

    Grüße

    • PetraM sagt:

      in Norwegen kostet die kwh auch nur ca. fünf Cent. Und der Verkauf ist auch zu 50% nur aus finanziellen Gründen so erfolgreich dort. Die Subventionen gelten aber nur noch bis 2017, dann muss die norweg. Regierung wieder tief in die Haushaltskasse greifen. Also ohne dieses Esel-Möhre-Prinzip wäre das E-Auto auch dort schon längst teurer Schrott (dank der teuren Materialien in der Batterie) auf Halde.
      Dieses Auto darf nicht nachts fahren (Aufladung Batterie), im Sommer macht die Batterie wegen der Klimaanlage schlapp und im Winter wegen der Heizung. Und dann muss auch das Prinzip: „Wer schneller fährt, kommt später an“ beachtet werden, besonders auf Autobahnen sehr beliebt und keine Ladesäule in Sicht.
      Vielleicht sollte man auf die Innovation von Marco Pfeifer aus Lörrach zurückgreifen http://www.der-postillon.com/2015/12/genialer-trick-mann-ladt-sein.html?

  5. PetraM sagt:

    Ich muss mich jetzt aber auch mal, wie Egon W. Kreutzer (http://www.egon-w-kreutzer.de/003/tk160427.html) von dem Inhalt dieses Leitartikels distanzieren. Wollte ich nur mal gesagt haben!

  6. M.Schmidt sagt:

    FRANK SEI DANK!!!!
    Das kann Herr Kreutzer sehen wie er möchte, aber Herr Meyer hat es trotzdem genial auf den Punkt gebracht. Die deutsche Industrie hat die e-mobile Zukunft wieder mal verpennt, (wie bei Kameras und Unterhaltungselektronik etc ) und sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht….von Dieselmotoren ganz zu schweigen…..

    Ich wünsche mir auf jeden Fall eine AKKU betriebene Waschmaschine, die dann vielleicht auch subventioniert wird…..lauf lach!

    PS und ernsthaft gemeint:
    Herr Meyer, fahren Sie „trotz alledem“ mal mit einem E-Mobil zur Probe…einfach aus Spaß … Das Fahrgefühl ist wirklich UNGLAUBLICH…..!!!

  7. Skyjumper sagt:

    Ich vermisse ja ein wenig den Hinweis darauf, dass wir uns alle gar nicht so aufzuregen brauchen da die Prämie ja nur halb so hoch ist wie es scheint 🙂

    Klugerweise beteiligen sich ja die Hersteller zu 50 % an den Prämien. Und die werden ihre 50 % doch ganz sicher nicht vorher in die Preise einkalkuliert haben, oh nein, sicher nicht. Oder vielleicht doch? Dann reduziert dich die Prämie für die Käufer eines Hybridfahrzeugs ja schon von 3.000,- auf 1.500,- €. Das reicht immerhin 1 1/2 Jahre lang für einen täglichen Coffee to go bei Starbucks. Seien wir großzügig und beschränken uns auf die Wochentage, dann reicht es für 2 Jahre, und dann ………. ups: Könnte auch schon bald die erste Austauschbatterie fällig werden, so von wegen Memoryeffekt und Co. Aber aktuell kostet die ja nur ein „paar“ Tausend Euro.

    • Rottweiler sagt:

      Memoryeffekt tritt nur bei Nickel-Cadmium Batterien auf. Die sind von einer Richtlinie der EU seit 2004 verboten und die ist „schon“ seit 2009 in Deutschland umgesetzt worden. Mir ist kein Fahrzeug bekannt, dass diese sehr alte Batterietechnologie nutzt. Bekannt sind sie eher aus Kleinstgeräten wie Mobiltelefonen aus den 90ern und frühen 2000ern Jahren…

    • Skyjumper sagt:

      @ Rottweiler
      Soweit zumindest die Theorie. Ich habe mich nicht weiter mit den technischen Aspekten beschäftigt, und die korrekte Bezeichnung ist mir ehrlich gesagt auch relativ egal. Fakt ist allerdings das auch meine neueren technischen Spielzeuge wie Laptop, Mobiltelefon, Tablet, E-Bike (allesamt mit Lithiumionen-Akkus ausgestattet), durchaus noch an einem sich sehr ähnlich äußernden Effekt leiden. Was ich Ihnen gerne zugestehe ist, dass dieser Effekt weniger schnell und heftig auftritt als in den 90ern. Das die relativ schnell alternden Akkus allerdings auch heute noch ein Ärgernis darstellen, weil die von den Herstellern „versprochenen“ Betriebszeiten der Geräte bereits nach sehr kurzer Zeit nicht mehr erreicht werden, können Sie in hunderten einschlägiger Foren dieser Geräte nachlesen.

      Ich sehe ehrlich gesagt keinen plausiblen Grund warum für die Akkumulatoren in E-Autos nun ausgerechnet was anderes zu erwarten sein soll. Wie so oft werden aller Voraussicht nach auch hier die ersten paar Millionen (weltweit gesehen) Kunden die Beta-Tester sein.

  8. FDominicus sagt:

    Die Prämie wird nur für Autos bis 60 000 € bezahlt. Was hier fehlt ab 21000 Kaufpreis wird die Subvention direkt per MwSt zurückbezahlt. Dazu sind dann zwar auch noch 21 000 € weg aber, das der Preis für Geld sich auf „gigantische“ 0.01 % beläuft, ist das auch nicht „so bitter“…. Ich betrachte es als ein Experiment über die Blödheit der Deutschen….

  9. Avantgarde sagt:

    400000 E-Autos solle man mit den bereitgestellten 1.2 Mrd fördern können ist zu lesen.

    Für um die 8000 Euronen bekäme man auch einen der bekannten Kleinwagen.
    Was würde die Presse wohl schreiben, wenn die Bundesregierung 200000 Kleinwagen an finanziell schwächere verschenken wollte?
    Vermutlich nicht zu Unrecht ein Aufschrei.

    Nun verbraten wir aber die gleiche Summe als Geschenk für Besserverdienende – ohne Aufschrei.
    19.610 Euro für einen Smart fortwo electric drive. Ein VW E-up kostet knapp 27.000 Euro für diese Winzlinge.
    So was kauft man als Hobby wenn man das Geld halt übrig hat oder als eingefleischter Idealist – aber kein Normalbürger der mit seinem Geld haushalten muß.

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