300 Billionen Dollar Schulden

27. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Nach unserer Reise nach Las Vegas verbrachten wir eine Nacht in Baltimore, um dann wieder in ein Flugzeug einzusteigen. Wir standen – wie immer – vor Röntgengeräten in der Schlange, packten die Taschen aus, wurden durchsucht – es ist alles zur normalen Routine geworden. Dabei haben wir fast vergessen, wie absurd das Ganze eigentlich ist.

Normale absurde Routine ist ja leider mittlerweile auch, dass ein Kerl mit einem Groll gegen Homosexuelle fast einen ganzen Nachtclub auslöscht. Das ist aber ein anderes Thema.

300 Billionen Dollar Schulden

Wir fühlen uns so glücklich. Nicht jede Generation hat das „Glück“, so viele groteske Dinge auf einmal zu erleben. Die US-Aktienmärkte sind auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Die Anleiherenditen sind auf einem Allzeittief. Und noch nie haben so viele Menschen so wenigen so viel geschuldet.

Liebe Leser mögen uns vorwerfen, dass wir schon wieder auf dem Thema herumreiten würden. Oder eben auf einem „toten Pferd“. Aber in der heutigen Ausgabe des Tagebuchs nehmen wir wieder die Peitsche zur Hand und legen los…

Dieses Pferd ist gar nicht tot. Er hat das Gebiss noch im Maul und rennt wie wild herum….

Einer Schätzung unseres Freundes Richard Duncan von MacroWatch zufolge ist der Weltschuldenberg nun auf 300 Billionen Dollar geklettert. Das sind 100 Billionen Dollar mehr als vor dem Ausbruch vor der Finanzkrise 2008. In den fünf größten Volkswirtschaften der Welt hat sich der Schuldenstand seit 2002 verdoppelt. Nun hängt der ganze Kram von den Schulden ab.

All diese Schulden sind in „Geld“ kalibriert, was ja ohnehin extrem außergewöhnlich ist. Der Schlüssel, um die heutige Wirtschaft zu verstehen, ist, dass Geld nicht Reichtum ist und der Dollar nicht einmal Geld ist.

Normalerweise ist Geld nur ein Mittel, Reichtum zu bemessen. Es ist wie eine Uhr. Eine Uhr ist nicht gleichbedeutend mit Zeit; die Uhr misst die Zeit nur.

Die Parasitokratie – angeführt von Zentralbanken – gibt vor, dass man die Menschen „reicher“ macht, wenn man noch mehr Geld ins System pumpt. Deshalb haben sie die Zinsen auf Null und sogar darunter gesenkt: um es für die Menschen einfacher zu machen, Geld zu leihen.

Aber Geld in das System pumpen ist ein Betrug. Es ist wie die Uhr zu verlangsamen, um den Tag scheinbar zu verlängern.

„Es gibt reale Grenzen … reale Gesetze …, die nicht geändert werden können“, sagte Ökonom und Autor George Gilder in Las Vegas. „Das wichtigste ist die Zeit.“

Wenigstens ist der alte Vor-1971-Dollar echtes Geld gewesen; er ist in der Realität der Zeit verankert gewesen.

Es braucht Zeit, wirklichen Reichtum aufzubauen. Du musst arbeiten. Sparen. Investieren. Und am wichtigsten ist: lernen.

Und es braucht auch Zeit, Gold aus dem Boden zu graben. Und es wird mit der Zeit immer schwieriger, echtes Gold zu finden. Die einfachen Oberflächenablagerungen werden zuerst abgebaut. Dann, wenn Sie mehr Gold haben wollen, müssen Sie weiter und weiter … tiefer und tiefer gehen. Und immer größeren Aufwand an Ressourcen und Zeit aufbringen.

Der einzige wirkliche Reichtum ist Wissen, sagt Gilder. Und das einzig reale Wachstum ist das Lernen. Alles andere ist ein Betrug.

Wie der betrügerische Dollar den Kapitalismus zerstörte
von Bill Bonner

Jüngst hörten wir beim Freedom Fest in Las Vegas dem Autor und Ökonomen George Gilder bei einem Gespräch zu. Er ist ein Genie. Wir bedauern es nun sehr, dass wir uns im Jahr 1999 über ihn lustig gemacht haben.

Damals war er schlichtweg abgehoben. Er war übermäßig begeistert von der dot.com-Revolution. Sein Kopf war wahrlich nicht mehr geerdet – er schien in die Sache vernarrt gewesen zu sein.
Aber jetzt sind seine Füße wieder auf festem Boden. Und er hat uns einen sehr großen Dienst erwiesen und uns dabei geholfen, noch mehr Punkte zu verbinden.

„Geld ist nicht Reichtum“, sagte er. „Es misst nur Reichtum.“

Das verzerrte Gesicht des Systems

Oder wie Steve Forbes (den haben wir in Las Vegas auch getroffen) es ausdrückte: Geld soll wie eine Uhr sein, zuverlässig die Stunden und Minuten und Sekunden des Tages messen.

Aber die Fed gibt vor, dass Geld wahrer Reichtum ist. Durch den Versuch, mehr Geld in die Wirtschaft zu injizieren (indem es einfacher und billiger zu bekommen ist) … ist es so, als ob man die Uhr künstlich verlangsamen würde, um den Tag zu verlängern!

„Nach 1970“, schreibt Gilder in seinem neuen Buch, The Scandal of Money, „verdreifachte die Finanzindustrie nahezu ihren Anteil an der US-Wirtschaft und auch bei den privaten Krediten gab es fast eine Verdreifachung in Relation zum BIP.“

Der betrügerische neue Dollar der Feds verzerrte das gesamte System. Die Kreditinflation ließ die Vermögenspreise ansteigen…und belohnte die Menschen, die Handel damit betrieben, überaus reich.

Es belohnte auch die Menschen, die im Besitz der Vermögenswerte waren – die Reichen. Die oberen 10 % der Lohnabhängigen beanspruchten 33 % des Volkseinkommens im Jahr 1971 für sich. Bis zum Jahr 2010 ging es für sie weiter auf sage und schreibe 50 Prozent des Volkseinkommens bergauf.

Gleichzeitig ist der mittlere Lohn für einen amerikanischen Mann im arbeitsfähigen Alter um 27 % gesunken. Für einen Mann ohne College-Ausbildung ist der Verlust noch katastrophaler: Er hat fast die Hälfte seines realen Einkommens verloren.

„Ein Scheitern des Kapitalismus“, sagen die Nobelpreis gekrönten Ökonomen dazu, die Politikmacher, die Bestseller-Autoren und die ehemaligen Finanzminister. Aber das Post-1971-System war nicht der Kapitalismus. Es war zentrale Planung und Vetternwirtschaft. Und sein Maßstab – der Dollar – war nicht mehr echtes Geld. Er war unecht. Betrügerisch eben.

Quelle: Kapitalschutz Akte
300 Billionen Dollar Schulden (von Bill Bonner)
Wie der betrügerische Dollar den Kapitalismus zerstörte (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

13 Kommentare auf "300 Billionen Dollar Schulden"

  1. cubus53 sagt:

    Jedem Schuldner steht ein Gläubiger gegenüber, jedem Schuldbetrag ein Forderungsbetrag. Die Schulden würden kein Problem darstellen, wenn diese zwischen dem Schuldner und dem Gläubiger beglichen werden. Eine ehrliche Begleichung der Schulden ist nicht mehr möglich, deshalb wird es zu einem Schuldenschnitt kommen (Währungsreform, Enteignung, Krieg).

    Der Dumme am Ende ist immer der Gläubiger, also der, der einen Kredit gegeben hat. Es wird aber Gläubiger geben, die verschont werden oder rechtzeitig den Kopf aus der Schlinge ziehen wie z.B. die Banken in Griechenland, welche die Schulden einfach dem Steuerzahler überlassen haben.

    Die Dummen am Ende sind also wir bzw. unsere Kinder. Aber wen interessiert das ? Laut Umfrage kommen CDU und SPD immer noch auf eine Mehrheit. Schade, dass man die Menge an Schulden nicht mit der Menge an Dummheit begleichen kann.

    • Avantgarde sagt:

      Wenn ich da mal korrigieren darf…

      Die Beträge von Schuld und Guthaben stehen sich 1:1 gegenüber – nicht die Personen.
      Ein Gläubiger kann durchaus mehrere Schuldner haben.

      Pikanter Weise muß ein Betrag aus der Schulden=Guthaben Gleichung herausgerechnet werden.
      Das BARGELD.
      Es ist Zentralbankgeld und diesem steht keine Schuld gegenüber.
      Folglich kann dieses auch nicht durch einen Zusammenbruch der Kredite ausgelöscht werden.
      Deswegen will man es ja auch unbedingt los werden 🙂

      • lowabras sagt:

        *** gelöscht ***

        Wenn Sie einen anständigen Ton finden, können wir Ihren Kommentar auch veröffentlichen. Vielleicht macht Übung den Meister?
        Gruß vom Admin.

      • cubus53 sagt:

        Angenommen ich habe X Euro Schulden bei einem Autohaus. Herr Draghi druckt nun X Euros in Form von Helikoptergeld. Damit bezahle ich meine Schulden bei dem Autohaus. Die Gesamtmenge der Schulden ist nun um X Euros geringer, die Menge an Bargeld um X Euros höher. Die Menge des Bargelds geht also sehr wohl in die Gleichgung Schulden=Guthaben ein. Denn eine Erhöhung der Geldmenge führt zu weniger Schulden bei gleichzeitigem Kaufkraftverlust des Geldes.

        • Avantgarde sagt:

          Mir ist nicht so ganz klar was dieser wäre/wenn Kommentar jetzt sollte…

          Tatsache ist , daß Herr Draghi bisher keinen einzigen Euro in all den EZB-Maßnahmen in physischer Form gedruckt und über einem Stadtgebiet hat abwerfen lassen.
          Man kann für die Zukunft und im Reich der Phantasie freilich alles mögliche annehmen und vermuten.

          Bis zum heutigen Tage ist die Erhöhung der Geldmenge rein technisch auch immer mit eine Erhöhung der Schulden – und eben nicht eine Verminderung.
          Ist ja auch aus rein logischen Gründen nicht anders möglich.

          • cubus53 sagt:

            Ich versuche, mich umfassend über bestimmte Themen zu informieren, so auch über das Finanzsystem. Ich muss zugeben, dass ich wissenschaftlich fundiert nicht erklären kann, ob eine Erhöhung der Geldmenge zu weniger oder mehr Schulden führt. Aus dem Bauchgefühl heraus meine ich zu weniger Schulden, weil Schulden mit der erhöhten Geldmenge beglichen werden können. Wenn ich es nicht weiss, woher dann unsere Politikdarsteller?

  2. markus45 sagt:

    Es mag verschiedene Ausprägungen des Kapitalismus geben. Humanere und weniger humanere. Aber es ist DOCH Kapitalismus. Was soll es denn sonst sein? Die Grundidee des Kapitalismus ist, dass es Menschen gibt, die besitzen (Kapital) und Menschen, die für diese arbeiten. Und wenn die Kapitalisten (die Kapital-Besitzer) nicht ganz dumm sind, dann werden sie ihr Kapital stärker mehren als die Löhne steigen. Ohne Gegensteuern wird also der relative Reichtum dieser Menschen (relativ zum Durchschnittsreichtum) immer stärker steigen, als der Reichtum von abhängigen Beschäftigten. Diese Reichtumskonzentration ist inhärent im System genauso wie auch die Konzentration auf wenige Unternehmen inhärent im System ist (bei sogenannten „Marktbereinigungen“ geschieht nämlich genau dieses). Nun mag es sein, dass Menschen, die an der Macht sind (Macht = Geld = Reichtum), dies beschleunigen indem sie sich vernetzen und Regularien schaffen, die ihre Reichtumsanhäufung vereinfachen. Doch auch das ist natürlich. Es liegt in der Natur des Menschen. Die natürliche Entwicklung des Kapitalismus besteht in der Konzentration von Reichtum in der Hand von Wenigen. Und es bedarf ständiges Gegensteuern, um dies zu verhindern. Unablässlich etwas tun, liegt nun aber auch nicht in der Natur des Menschen (wenn man vom Herzschlag, atmen, essen, schlafen absieht).

    • Hermann sagt:

      Ihre Schilderung entspricht exakt der Argumentationslinie der indoktrinierten Linken.

      Kapitalismus ist im Wesentlichen die Allokierung von Kapital DURCH den Markt. Nicht durch die Politik. Was allen Marxisten und ihren Derivaten eigen ist: Sie sind das Gegenteil davon. Sie versuchen die Welt durch Apparatchiks zu micromanagen. Das fängt mit der politischen Lenkung an, was Sie lernen/studieren sollten. Geht über dazu, was Sie konsumieren sollen. Und endet damit, was Sie denken sollen.

      Die Grundidee des Kapitalismus ist, dass Kapital (=eine wie auch immer geartete Leistung) dorthin geht, wo es gebraucht und sinnvoll ist. Wer darüber entscheidet, ist der Zins! Der wird seit Nixon von der Politik manipuliert. Fallen Ihnen die Ähnlichkeiten zur DDR et. al. nicht auf?

      Um den Bogen zu spannen: Ihre Andeutung von Marktbereinigung hätte unter einem FREIEN MARKT stattgefunden… ’09 wären alle Banken pleite gegangen. Und damit wäre der digitale Reichtum der Reichen pleite gegangen. Das Maß an Gleichheit wäre sprunghaft gestiegen. In Wahrheit wurden aber nicht die Banken gerettet, sondern die Politik hat SICH SELBST gerettet. Was wäre nämlich passiert, wenn Herr Müller und Frau Schmidt plötzlich die Altersversorge/Ersparnisse auf 0,00€ beziffern hätte können? Er/Sie/Es hätte anders gewählt! Das real-existierender Sozialismus surreal ist, daran erinnern sich glücklicherweise noch zu viele.

      • Insasse sagt:

        @Hermann: Ja die Linken sind – aus ideologischen Gründen – nicht in der Lage zu erkennen, dass dieses System nur noch für eine Minderheit (vielleicht noch 30 Prozent) Kapitalismus ist und für die absolute Mehrheit Sozialismus (ich schätze so um die 70 Prozent). Sie sehen nicht oder besser: wollen nicht sehen, dass wir zum ganz überwiegenden Teil schon längst in einer zentralistisch gesteuerten Planwirtschaft leben, die naturgemäß nichts mehr mit Kapitalismus zu tun hat. Wer das nicht erkennt oder sich dieser Erkenntnis verweigert, wettert eben weiter über die vermeintlichen Missstände des Kapitalismus, die in Wirklichkeit solche des Sozialismus sind.

  3. Mike Shorty sagt:

    „…Weltschuldenberg nun auf 300 Billionen Dollar…“
    Die Welt hat keine Schulden. Gegen wen soll die Welt Schulden haben? Gegenüber Mars oder Venus?

    „,… All diese Schulden sind in „Geld“ kalibriert, was ja ohnehin extrem außergewöhnlich ist …“
    Ja, in was denn sonst?
    Geld und Schulden sind zwei Seiten einer Medaille. Geld und Schulden entstehen durch Kreditschöpfung und verschwinden durch Tilgung.

    „…Die Parasitokratie – angeführt von Zentralbanken – gibt vor, dass man die Menschen „reicher“ macht, wenn man noch mehr Geld ins System pumpt. Deshalb haben sie die Zinsen auf Null und sogar darunter gesenkt: um es für die Menschen einfacher zu machen, Geld zu leihen. …“
    Ich denke, „die Menschen“ (Unternehmen) sollen all das frisch gedruckte Geld investieren und schöne neue Jobs schaffen. Leider vergessen die Neoliberalen in ihren Theorien (besser Dogmen). Jedes Unternehmen benötigt Kunden die all die tollen Güter und Dienstleistungen auch nachfragen und kaufen. Doch leider sind Geldbörsen der normalen Nachfrager (Arbeiter, Angestellte, Kleinstunternehmer, …)  Dank globalisierter Lohn- und Preisdrückerei nicht mehr so gut gefüllt.

    „… Wenigstens ist der alte Vor-1971-Dollar echtes Geld gewesen; er ist in der Realität der Zeit verankert gewesen. …“
    Ist mir zu dogmatisch. Vielleicht muss die Geldfunktion aufgeteilt werden. Papier- und Giralgeld fürs Kreditnehmen, Investieren und Handeln. Gold und Silber als Spargeld. Beides sollte ohne Umtauschgebühren jederzeit ineinander zum „richtigen“ Kurs konvertierbar sein.

  4. Argonautiker sagt:

    In wenigen klaren Worten die Ursachen unsere Wirtschaftskrise dargelegt.

    „Aber das Post-1971-System war nicht der Kapitalismus. Es war zentrale Planung und Vetternwirtschaft.“

    Es war natürlich schon der Kapitalismus, denn dieser war dort an sein Natürliches Ende gekommen, und hätte man die Krise, die es damals ja gab, angenommen und wirklich bereinigt, und den Glauben aufgegeben, daß der Sinn des Lebens im Vermehren von Materie besteht, dann wären wir heute nicht an der potenzierten Krise von den 1970ern.

    Das was Sie als zentrale Planung und Vetternwirtschaft beschreiben, wurde aber eben sehr wohl von den damaligen Kapitalisten betrieben, und zwar um eben nicht ihren Anteil am Leid der Welt zu tragen, welches eben auch ein Sterben, und neu Anfangen bei Null beinhaltet. Man hat den Kapitalismus aber nicht sterben lassen, weil dann nämlich die Wirklichkeit dessen durchgebrochen wäre, was im Artikel mit diesem Satz angerissen wird:

    „Der einzige wirkliche Reichtum ist Wissen, sagt Gilder. Und das einzig reale Wachstum ist das Lernen. Alles andere ist ein Betrug.“

    Ganz so möchte ich es jedoch nicht übernehmen, es ist aber zu erkennen, daß wohl etwas Richtiges gemeint ist. Aber das Wissen bringt sie nicht wirklich weiter, und auch das Lernen ist es nicht, sondern eigentlich bringt sie nur der Glaube weiter, und damit soll nicht prinzipiell ein religiöser Glaube gemeint sein, sondern Glauben beschreibt einen Vorgang, der sie aus der Gegenwart in eine mögliche Zukunft bringt. Dazu muß man nämlich Glauben, eben weil man die Zukunft nicht kennt, muß man ahnen wie es denn da hin gehen könnte.

    Wissen ist ja lediglich die vermeintliche Kenntnis über Vergangenes, welches wir so und so oft erlebt haben, sodaß wir annehmen, daß es so ist, sodaß wir dann daraus schließen, daß wir es wissen, denn nur was Sie erlebt haben, und daraus erkannt haben, liegt ihnen wirklich als Wissen vor,…, bis dann etwas unerwartetes passiert, was ihr Wissen in Frage stellt. Und um aus dieser erneut aufgetauchten Ungewißheit heraus zu kommen, brauchen sie dann wieder den Glauben. Dieser liegt jedoch wie so Vieles ebenfalls in zweifaltiger Weise vor. Also passiv, indem ihnen jemand was erzählt und sie das dann übernehmen, und es ihm auch ohne eigenes Erlebnis glauben, oder aktiv.

    Der Glaube ist eben in seiner aktiven Form auch das, was man als Bewußtsein bezeichnet, und das ist das aktive Denken, was uns aus der Gegenwart in die Zukunft bringt, indem es abwägt, ob eine Handlung die wir möglicherweise tun oder unterlassen, uns eben eine Zukunft, also eine geeignete nächste Gegenwart erreichen läßt, oder eben nicht.

    Würde man ständig nur das wiederholen, was wir Wissen, stürben wir, weil wir uns nicht mehr entwickeln würde, was letztendlich ein Kennzeichen des Lebens ist. Eine Entwicklung in Zeit.

    Sie brauchen also im Wesentlichen Glauben um aus dem Wissen, also der Vergangenheit, (so war es bisher) in die Ungewißheit einer Zukunft zu kommen, und im Abgleichen dessen, ob ihr jeweiliger Glaube ihnen dann eine möglichst gute nächste Gegenwart bereitet hat, oder eben auch nicht, vollzieht sich dann das Lernen.

    Das heißt, das Glauben, also ein Tasten in die ungewisse Zukunft, um aus einer Gegenwart in die nächste Gegenwart zu kommen, die für das jeweilige Individuum geeignet ist, ist wesentlich entscheidender als das Wissen, denn wäre Wissen und Lernen die Hauptparameter, dann wäre Börse, so sie ethisch überhaupt vertretbar ist, eben auch ganz leicht, eben erlernbar, was sie aber nicht ist.

    Natürlich ist es schon richtig, daß das Wissen, den persönlichen Fundus, also das Kapital darstellt, nur nützt ihnen dieses Kapital recht wenig, wenn sie den falschen Glauben haben, aufs falsche Pferd setzen und alles verzocken.

    Der wesentlich wichtigere Parameter in dieser Gleichung ist also der Glaube.

    Glaube ist eine oft durch Religiösen Wahn verunstaltete Kraft von enormer Wichtigkeit. Denn ohne Glauben kommen sie aus der Gegenwart nicht in die nächste Gegenwart. Selbst wenn sie nur einen Schritt vor den Anderen machen, brauchen sie den Glauben, diesen Schritt auf eine geeignete Weise auszuüben, damit sie nicht stürzen. Das mag in einem Terrain einer asphaltierten Strasse noch recht einfach sein, weil diese eben nur wenig Neues zuläßt, aber sobald sie im unwegsamen Gelände sind, oder gar Klettern, werden Sie jeden Schritt neu erwägen müssen, und sich dann für einen entscheiden von dem Sie glauben, daß es der geeignete ist, und das können sie nur glauben, denn wissen können sie es nicht.

    Da kommt natürlich die Frage auf, ob allzu viel Wissen, im Verhältnis zum Unabwägbaren, nicht unweigerlich zum langsamen Sterben führen muß, weil Wissen nun mal nur die Kenntnis über Vergangenes, also etwas was außerhalb der Gegenwart liegendes, also Totes, darstellen kann, und folglich ein Einsperren des Lebens, in das was man weiß, dieses Leben auf Dauer betrieben tötet. Es gibt also kaum etwas Schlimmeres für das Leben, als eine Planwirtschaft, welche sich auf Wissenschaft beruft, die nichts anderes mehr zuläßt als das, was sie weiß, somit folglich vollkommen lebensfeindlich ist.

    Ich würde den Satz also etwas umschreiben,
    Der einzige wirkliche Reichtum des Menschen ist also nicht das Wissen, sondern das Vermögen etwas mit dem Wissen zu tun, und das einzig wirkliche Wachstum, ist nicht das Lernen, sondern wird durch den Glauben erzeugt, da er der Lotse aus dem Unmöglichen zum Möglichen ist, und die Welt dadurch bereichert.

    Wobei bei diesem Vorgang sicherlich ein Lernen stattfindet, aber das Lernen eben nur den passiven Teil des Glaubens darstellt, der eben nix erzeugen kann, sondern lediglich eine Bewertung dessen ist, was der aktive Glaube, also das Denken an neuer Wirklichkeit erdacht hat.

    Schöne Grüße

  5. Frank Frei sagt:

    Ich bin ja ehrlich gesagt ein Befürworter von realen Werten wie Gold & Silber, Sack voll Bohne & Reis usw. Aber ich bin nicht der Meinung, dass das alles „die einzig wahre Lösung“ sei. Ein Meteror aus Purem Gold könnte uns aufs Dach regnen. Was wären dann mit dem Goldpreis(-wert)? Bohnen und Reis können verderben usw.
    Ich präferiere die Freiheit sich das „Geld“ auszusuchen, was mir gefällt. Die anderen dürfen sich mir anschliessen, oder sich auch eine eigene Währung aussuchen. Jeder Mensch ist verschieden. Warum also nicht freie Währungen?

  6. Avantgarde sagt:

    cubus53
    Ich versuche, mich umfassend über bestimmte Themen zu informieren, so auch über das Finanzsystem. Ich muss zugeben, dass ich wissenschaftlich fundiert nicht erklären kann, ob eine Erhöhung der Geldmenge zu weniger oder mehr Schulden führt. Aus dem Bauchgefühl heraus meine ich zu weniger Schulden, weil Schulden mit der erhöhten Geldmenge beglichen werden können. Wenn ich es nicht weiss, woher dann unsere Politikdarsteller?
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    Ich will hier niemand ärgern aber vielleicht mal zum Verständnis
    https://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge
    Damit ist also auch ihr Sparbuch gemeint . Und ihr Guthaben auf dem Sparbuch repräsentiert die Schulden von jemand anderem.

    Die Schulden(=Guthaben) an sich sind auch kein Problem – wohl aber die Verteilung in der Bevölkerung.

    Ein tatsächliches Problem ist aber inzwischen, daß die Banken verdammt viel Munition für die Kreditvergabe haben. In den USA hat man sie ca. ver16facht und in Japan ver26facht. Die EZB liegt bei ca. 5.
    Solange sich so wenige wie jetzt verschulden wollen ist das kein Problem.
    Sobald aber die Kreditnachfrage anzieht werden die Notenbanken die Zinsen ganz schnell anheben müssen.
    Und deshalb schwebt da etwas im Raum was der Mainstream gar nicht auf dem Radar hat – alle glauben die Zinsen können nicht mehr steigen.

    Frau Yellen ist nicht umsonst bedacht schon mal langsam die Zinsen anzuheben bevor sie in Zugzwang kommt.

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