3-6-3 ist vorbei (Robert Rethfeld)

23. Mai 2011 | Kategorie: RottMeyer

von Robert Rethfeld (Wellenreiter)

Die „3-6-3-Regel“ ist ein geflügelter Spruch aus der Vergangenheit des US-Bank-Geschäfts: Zahle auf Konten 3 Prozent Zinsen, verleihe das Geld zu 6 Prozent und gehe nach getaner Arbeit um 3 Uhr nachmittags Golf spielen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Absolut betrachtet befindet sich der US-Banken-Index in der Bewertung auf dem nominalen Niveau des Jahres 1996.


Die Banken hatten – nicht zuletzt dank der weiter steigenden US-Häuserpreise – die Krise der Jahre 2000 bis 2003 in robuster Manier überstanden. Das Ende des Hausbau-booms in den Jahren 2005/06 leitete zunächst eine Phase der relativen Schwäche, ab Mitte 2007 eine Phase der absoluten Schwäche ein. Nach dem vorläufigen Ende der Finanzkrise im Frühjahr 2009 zeigten die US-Banken nur kurzzeitig relative Stärke zum breiten Markt.

Betrachtet man heute die „Reste“ des US-Hausbau-Geschäfts, so stellt man fest, dass Kredite zwar weiterhin von Banken vergeben werden, diese aber rasch an die staatlichen Institutionen Fannie Mae und Freddie Mac weitergegeben werden. 90 Prozent aller neuen Hypotheken werden durch Fannie Mae und Freddie Mac – und damit durch den amerikanischen Steuerzahler – garantiert. Dies liegt deutlich über der historischen Norm. Der US-Hypothekenmarkt ist faktisch verstaatlicht. Private Banken fungieren in diesem Geschäft mehr oder weniger als Makler.

Hinüber nach Europa. Auf dem Taunus-Finanztreff in der vergangenen Woche hatten wir das Thema Griechenland intensiv diskutiert, genauso wie aktuell eine Fokussierung auf Griechenland in den Medien erfolgt. Man hat das natürliche Bedürfnis, eine Krise, die seit dem Herbst 2009 schwelt, jetzt endlich abzuschließen. Der Geduldsfaden steht auf allen Seiten – auch auf der Seite der griechischen Bürger – kurz vor dem Zerreißen. Auch der Markt drängt mit einem Zinssatz von 25% für zweijährige griechische Anleihen auf eine Lösung.

Es ist ein vollkommen menschliches Bedürfnis, eine Lösung herbeiführen zu wollen. Nur: Es gibt in diesem Fall keine Lösung ohne Schwund. Es ist keine Kunst vorherzusagen, was eine Umschuldung Griechenlands als Präzedenzfall für die übrigen „schwierigen Fälle“ Irland und Portugal bedeuten würde: Eine Kettenreaktion. Aber nicht mit ungewissem Ausgang, sondern mit dem Effekt, dass die Bankenlandschaft automatisch tief in den Sumpf hineingezogen werden würde. Zudem „gieren“ die Marktteilnehmer nach dem nächsten Kandidat Spanien, kurz dahinter würde Italien folgen. Dann droht das Finanz-system, das in 2008 noch einmal davon gekommen ist, zu kippen. Merkel, Sarkozy und Konsorten werden dies verhindern wollen, indem sie deutschen, französischen, spanischen, britischen, holländischen und anderen EU-Banken massive Finanzspritzen gewähren. Aber: Sie fürchten sich vor solchem Tun, denn sie fürchten ihr Volk. (—> Seite 2)

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7 Kommentare auf "3-6-3 ist vorbei (Robert Rethfeld)"

  1. timesystem sagt:

    ****Kommentar gelöscht***

    Gelbe Karte für timesystem wegen Flegelhaftigkeit. Man kann sich über Inhalte wohl streiten. Der Ton macht die Musik.

  2. timesystem sagt:

    Da bin ich etwas sprachlos, weder habe ich verbal beleidigt sondern eher ironisch kommentiert. O.K., diese Verfahrensweise – der Löschung- nehme ich zur Kenntnis.

  3. sx2011 sagt:

    Ich denke um die ganze Finanzmisere zu lösen, brauchen wir weit radikalere Ansätze:
    Derivate, CDOs, Turbo-Optionsscheine, High-Frequency-Trading, Hedgefonds, usw muss alles verboten werden.
    Man muss den Banken die finanziellen Massenvernichtungswaffen aus der Hand nehmen.
    Banken müssen gesplittet werden in Investmentbanken und Geschäftsbanken, die nur Girokonten verwalten und Inlandskredite vergeben. (Trennbankensystem, Glass-Steagall)
    Steueroasen wie Kaimaninseln, Andorra, Grenada müssen finanziell dem Erdboden gleichgemacht werden.

    Und dann müssen Besitzer extrem grosser Privatvermögen teilenteignet werden. Sie dürfen einen bestimmten Betrag behalten (sagen wir mal 40 Mio. Eur) und der Rest wird vom Staat konfiziert.
    Das Gleiche gilt für extrem hohe Einkommen; auch dafür muss es ein oberes Limit geben.
    Das Wort „Enteignung“ mag bei manchen vielleicht das Gefühl der Ungerechtigkeit auslösen, aber man darf nicht vergessen wie Vermögen oberhalb von 50 Mio zustandegekommen sind: nicht durch Arbeit sondern durch Erbschaft und durch legalisierten Betrug (z.B. Insiderhandel, Zins & Zinseszins).
    „Arbeit muss sich wieder lohnen“ ist absolut richtig, aber ein Fondmanager arbeitet ja nicht wirklich mehr als z.B. ein Chirurg.
    Somit darf der Manager auch nicht mehr verdienen; eigentlich logisch.

    Das völlig unbegrenzte Scheffeln von Geld muss ein Ende haben!!

  4. Pectoralis sagt:

    @sx2011: Aus dir spricht der blanke Neid. Hättest du in diesem Land etwas zu sagen, würde ich über Nacht flüchten – Willkürherrschaft.

    Es hat dich (und erst recht einen Staat) ganz einfach einen feuchten Kehricht zu interessieren, wie ein Vermögen zustandegekommen ist. Das „unbegrenzte Scheffeln von Geld“ muss nur in sofern „ein Ende haben“, als dass endlich die andere Seite der Medaille zum Vorschein kommen muss: Wer schlecht wirtschaftet, hat genauso die Konsequenzen zu tragen wie jemand, der gut wirtschaftet => letzterer fährt (hoffentlich horrende) Gewinne ein, der andere geht pleite. Aber lass das um Gottes Willen den Markt entscheiden!

    • sx2011 sagt:

      >> @sx2011: Aus dir spricht der blanke Neid. … Aber lass das um Gottes Willen den Markt entscheiden!
      Unsinn, ich gönne Jedem der hart arbeitet seinen Ferrari und seine Segelyacht. Da habe ich überhaupt kein Problem damit.
      Dass ein Fabrikant, der ein pers. Risiko trägt mehr verdienen darf als ein Angestellter ist auch klar.
      Es ist nur völlig krank wenn z.B. J. Paulson 3,7 Mrd. Dollar im Jahr verdienen kann.
      Das steht doch in keinster Relation zu seiner Leistung was auch für alle anderen Multimillardäre gilt.
      Wenn sich Geld in Multimillionenhöhe ansammelt, dann wird der normale Markt ausgehebelt.
      Dann geht es nicht mehr darum, dass der Tüchtige verdient und der Faule verliert.
      Hier muss es ein oberes Limit geben.
      Und jetzt sag‘ bloss nicht dass 40 Mio. Euro zu wenig wäre!!

      Ich würde diese Prinzip der oberen Schranke als „Limitismus“ bezeichen – eine neue Form neben Kommunismus (der völlig versagt hat) und Kapitalismus (Ursache von Kriegen, grenzenloser Gier, Krisen und bitterer Armut).

  5. Pectoralis sagt:

    Soso, du gönnst mir also einen Ferrari. Und was ist, wenn ich noch einen Bentley, einen Lambo, 3 Porsches und weiß der deibel was alles haben will? Ganz zu schweigen von 5 Häusern in 3 verschiedenen Ländern? Und an jedem Standort einen Harem von 20 Edelnutten? Du wirst jetzt einwenden, dass das kein normaler Mensch braucht, und du hast dabei wahrscheinlich recht. Aber:
    a) bin ich nicht normal, wäre ja schrecklich. Individuum, schonmal gehört?
    b) fehlt mir persönlich evtl. genau das, um glücklich zu sein. Du maßt dir dagegen an, genau zu wissen, womit ich gefälligst zufrieden zu sein habe.

    Der Punkt ist doch folgender: wir wissen alle, woher die von dir angeprangerten Gehaltsexzesse kommen – Fiat money. Nun räumen aber sämtliche Staaten dieser Welt den Banken dieser Welt das Recht ein, Fiat money zu emittieren. Auf der anderen Seite sollen sie aber, deiner Meinung nach, den Menschen dieser Welt verbieten, das System in Form von exzessiven Gehältern (aus-) zu nutzen? Dann landen eben alle Gewinne bei den Aktionären der Banken, willst du denen ihre Dividende begrenzen? Was willst du eigentlich mit den Überschüssen über den Grenzbeträgen tun? Dem Staat geben? Damit er noch mehr Beamte finanzieren kann, die noch mehr Grenzwerte einführen und verwalten? Wie gesagt, das ist Willkürherrschaft und grenzt schon fast an Sklaverei (zugegeben, auf relativ hohem Niveau. Trotzdem nimmst du den Menschen dadurch das Recht, sich aufs maximal mögliche zu entfalten).

    Auußerdem: wie passt du eigentlich deine Obergrenzen an die Inflationierung an, welche jedem Papiergeldsystem inhärent ist? Ich sehe dazu nur zwei Arten:
    1) Die Grenzen regelmäßig, demokratisch legitimiert natürlich, anpassen. Dann wird aber Wahlkampf damit betrieben – nach oben wie nach unten.
    2) Die Grenzen an Inflationszahlen koppeln. Die können aber manipuliert werden, nach oben wie nach unten.

    Beides ist Willkür und daher mMn abzulehnen.

    Es bleibt nur eins: Ersetze Fiat money durch echtes Geld, dann verschwinden auch extreme Gehaltsexzesse. So einfach ist das in der Theorie. In der Praxis fängst du dir bei dem Versuch schnell ’ne Kugel ein, ich weiß. Aber alles andere führt direkt und ohne Umwege in den Sozialismus.

    Edit: Der Kommunismus, der in deinen Augen völlig versagt hat, erinnert mich sehr stark an deinen achsotollen „Limitismus“, schreiben mir doch beide vor, was meine Arbeit wert ist. Es ist mir dabei vollkommen wurscht, auf welchem Niveau das passiert. Es geht dich, einen Staat oder „die Allgemeinheit“ ganz einfach nichts an, ob mein Gehalt gerechtfertigt ist. Das ist in freier Entscheidung zweier oder mehrerer Marktteilnehmer so festgelegt worden und es kommt dabei kein Dritter zu schaden. Es ist daher bis zum Auslaufen des geschlossenen Vertrags legitim und zu bezahlen. Punkt. Alles andere ist wieder, du ahnst es bestimmt schon, Willkür.

    • sx2011 sagt:

      >>Und was ist, wenn ich noch einen Bentley, einen Lambo, 3 Porsches und weiß der deibel was alles haben will?

      Und was ist wenn die 10 reichsten Milliardäre der Welt ganz Österreich aufkaufen und die Schweiz noch dazu?
      Und wozu gibt es eigentlich das Kartellamt?
      Das Kartellamt soll marktbeherrschende Stellung einzelner Unternehmen verhinden.
      Im Bereich privater Vermögen existiert eine solche Regulierung nicht.
      Jemand der schon 10 Mrd hat kann diese munter weitervermehren während andere immer von der Hand in den Mund leben.
      Irgendwann sind dann 95% des Vermögens in der Hand von 0,0001% der Menschen.
      Beim heutigen Konzept von Geld & Zinsen ist es einfach unausweichlich, dass die Reichen immer reicher werden.
      Es spielt auch nur eine geringe Rolle ob wir Fiatmoney oder z.B. Goldgedecktes Geld haben; der Zins ist der Hebel.
      Da es keine obere Grenze für Reichtum gibt, werden wir von einer Clique von Superreichen beherrscht.

      Jedes System, dass mit Menschen und Geld bestückt ist strebt automatisch und zwangläufig einem Endpunkt zu: ganz wenige Leute haben fast alles Geld und die meisten Menschen haben nichts!!
      Dieser Verlauf kann nur durch Krieg oder Revolution unterbrochen werden.
      Eine Deckelung der Vermögen und Einkommen ist dagegen ein wirklich geringer Preis, den einige wenige für den Erhalt der Gesellschaft zahlen müssten.

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