2018: Der Einmarsch der Robos

2. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

Von Bankhaus Rott

Die im kommenden Jahr greifenden Gesetzesänderungen werden das Privatkundengeschäft in der Finanzbranche gründlich umkrempeln. Neben viel Unsinn und Stapeln an Papier die in den Briefkästen der Kunden landen werden darf man sich auf eines freuen. Kunden werden die Kosten der Finanzanlage schwarz auf weiß zu sehen bekommen…

Man muss nicht lange rätseln, wie die Reaktion von Kunden auf die Gebührenauflistung ausfallen wird. Wer noch glaubt, es werde sich schon nichts ändern, schließlich wüssten die Kunden doch bereits wie teuer ihre Fonds oder Vermögensverwaltungen sind. Das ist ein Trugschluss..

Zum einen wissen viele Anleger dies noch immer nicht. Andererseits sind die Kosten, die auf Seite 17 der Werbebroschüre stehen nicht die Kosten, die der Kunde bezahlt. Zusätzlich zu den Kosten, die der Anbieter verlangt gibt es natürlich fremde Kosten. Wer für einen Fonds Gebühren in Höhe von 1,5% pro Jahr zahlt, der zahlt oft mehr als diese 1,5%. Enthält der Fonds selbst andere Finanzprodukte wie etwa Fonds oder ETFs so fallen auch für diese Produkte Gebühren an. Diese werden dem Fondsvermögen abgezogen. Enstehen Kosten für externe Broker oder Devisenkonvertierungen so werden auch diese heute nicht immer vollumfänglich dargestellt.

Da all diese Kosten jedoch einen negativen Einfluss auf die für den Anleger verbleibende Rendite haben, sind sie relevant. Ab dem kommenden Jahr bekommen die Kunden diese zu sehen. Dem einen oder anderen Privatkundenberater und seinen Kunden sei an dieser Stelle schon einmal Baldriantee mit Honig und eine bequeme Sitzhaltung empfohlen.

Abgesehen von sinnvollen Dingen wie dem Ausweis der Kosten kommen zahlreiche weitere Berichtspflichten auf das Privatkundengeschäft zu. So müssen die Vermögensverwalter die Kosten für Research in Rechnung stellen, so denn welche anfallen. Die Zeiten in denen die E-Mail Postfächer mit größtenteils nutzlosen Analysen verstopft werden sind damit hoffentlich vorbei.

Für 90 Prozent des derzeit publizierten Materials sollte schon bei Kosten von 5 Euro keine Nachfrage mehr exisitieren. Wenn die Commerzbank beim Euro/Dollar Kurs von 1,1978 eine Seite schreibt – und zum großartigen Fazit „Eurokurs von 1,20 auf Sicht von sechs Monaten möglich“ – dann ist der wertvollste Teil dieser ausgedruckten Auswertung die leere Rückseite, die man für freie Notizen, etwa für die Einkaufsliste, nutzen kann. Für so etwas wird vermutlich niemand auch nur einen Pfennig bezahlen.

Um einen Eindruck von den Kosten zu bekommen sei erwähnt, dass allein eines der bekannteren Frankfurter Fondshäuser einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag für Research auf den Tisch legen soll. Bei steigendem Margendruck werden sich die Damen und Herren Entscheider hier sicherlich noch zu deutlichen Streichungen gezwungen sehen.

Robo Advisor Germany Deutschland

So werden die Kapazitäten in diesem sogenannten Research, das im Grunde kein Reserach ist sondern in die Kategorie Geschichten erzählen fällt, drastisch schrumpfen. Was die Menschen machen werden, die jetzt diese Berichte verfassen? Schwer zu sagen. Große Veränderungen wird auch das Asset Management erfahren.

So sind die „Robo Advisor“ genannten teil- oder vollautomatisierten Vermögensverwalter zwar bereits jetzt in aller Munde, bekommen aber durch die neue Regulierung einen unerwarteten Schub. Die letzten Veränderungen der kommenden Gesetzgebung ermöglichen eine Automatisierung der Dokumentationspflichten, die bisher nicht möglich war. Noch im laufenden Jahr sind viele frei zu formulierende Texte von den Beratern zu verfassen, die man nicht automatisieren kann. Das ändert sich ab dem 1.1.2018.

Der gesamte Beratungsprozess inklusive Dokumentation ist dann automatisierbar und über ein Webportal darstellbar. Wie so etwas dann aussieht, zeigt die Integration von Scalable in das Portal der ING Diba. Außer Knöpfe drücken ist nichts mehr zu tun.

Das ändert freilich nichts an den teilweise erschreckend ungeeigneten Strategien, die viele Robo Advisor anbieten. Für diese interessieren sich leider viele Anleger ebenso wenig wie für die vermeintlich tollen Risikomodelle, die umso wackliger sind, desto schlauer sie dargestellt werden.

Mit dem Robo Advisory und der gesetzlich ermöglichten Vollautomatisierung kommt der Margendruck in der Finanzbranche richtig in Fahrt. Die Gebühren werden deutlich und langfristig unter Druck geraten. Für die Kunden ist das in vielen Fällen ein Segen. Man sollte sich nur nicht auf die erstbeste hingeschluderte Strategie festlegen nur weil sie billig ist. Ein bisschen nachdenken und überlegen ist auch bei günstigen Produkten sinnvoll.

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