2016: Die größte Geldflut aller Zeiten…

7. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Die ersten Tage im Neuen Jahr lassen erahnen, wohin die Reise führen wird: In den kommenden Monaten dürfte der finanzpolitische Irrsinn eine noch nie gesehene Eskalationsstufe erreichen…

Der Start in die neue Börsensaison ist, sagen wir mal, holprig verlaufen: Für den DAX war es der schwächste Jahresbeginn seiner Geschichte. Am Aktienmarkt in China wurde der Handel nach einem Crash in den ersten Handelsstunden komplett ausgesetzt – und beim marktbreiten S&P 500 bildet sich gerade ein Kursmuster, das eine obere Trendwendeformation erahnen lässt. Die folgende Abbildung zeigt das.

SPX Top-Bildung

Blöd nur, dass der Start in den Januar generell ein ganz brauchbarer Indikator für den Rest des Jahres ist. Erleben wir in 2016 also den ganz großen Zusammenbruch der internationalen Aktienmärkte? Beim Blick auf einige aktuelle Entwicklungen kann es einem schon flau im Magen werden.

Beginnen wir in China. Dort sind die Börsenkurse am ersten Handelstag nach Neujahr nicht ohne Grund in den freien Fall übergegangen: Unmittelbarer Auslöser des Kursrutsches war ein (neuerlicher) Rückgang der chinesischen Industrieproduktion. Schon im Sommer hatte China aus ähnlichen Gründen für Turbulenzen rund um den Globus gesorgt. Die folgende Abbildung zeigt den langfristigen Verlauf des Shanghai Composite. Wie beim S&P 500 lässt sich auch hier erahnen, was ansteht, wenn nichts geschieht…

SSEC sehr lang

Was geschehen wird, weil es geschehen MUSS, und zwar nicht nur in China, das wurde gleich am Dienstag dieser Woche deutlich: Eine milliardenschwere staatliche „Beruhigungspille“ hat weitere Einbrüche am chinesischen Aktienmarkt verhindert. Nach Bloomberg-Informationen haben staatlich kontrollierte Fonds in dieser Woche chinesische Aktien gekauft, um die Märkte zu stützen. Rund 19 Milliarden Euro hat Peking in die Märkte geblasen. Auch staatlich kontrollierte Banken sollen jetzt chinesische Aktien einsammeln, um weitere Kursverluste zu verhindern.

Das Beispiel zeigt: Die Notenbanken bleiben ihrem „bewährten“ Reflex treu: Wenn es brenzlig wird, dann wird die Geldspitze ausgepackt. Nach diesem Muster „funktionieren“ mittlerweile alle (!) großen Weltbörsen.

Es ist nur noch ein schöner Schein, der hier gewahrt wird. Wir dringlich diese alberne Maskerade in diesem Jahr werden wird, das verdeutlichen einige aktuelle Entwicklungen:

Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), rechnet in diesem Jahr mit einem enttäuschenden Wachstum der Weltwirtschaft. Hauptursache sei der Konjunkturabschwung in China.

Da fügt es sich, dass der Baltic Dry Index, der das Frachtaufkommen auf den Weltmeeren erfasst, kürzlich auf den niedrigsten Stand aller Zeiten eingebrochen ist. Die folgende Abbildung muss man nicht kommentieren.

BDI sehr lang

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unterdessen längst klar gemacht, dass sie das geldpolitische Gaspedal bei Bedarf noch sehr viel weiter durchdrücken wird. Dass es diesen „Bedarf“ geben wird, das kann man sich schon heute an fünf Fingern abzählen. Die „Zielinflationsrate“ der EZB von zwei Prozent etwa, liegt trotz der forcierten Anleihekäufe der Notenbank mit 0,1 Prozent per Ende 2015 in weiter Ferne. Wobei wir hier die Frage außen vor lassen, was an dem Ziel einer schleichenden Enteignung der Bevölkerung eigentlich erstrebenswert sein soll.

Bleiben noch die USA. Dort hatte die Notenbank im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Leitzinsen angehoben. Wer nun aber glaubt, damit sei alles in bester Ordnung, der irrt sich:

Tatsache ist, dass die Konjunktur in den USA trotz jahrelanger Nullzinspolitik nicht in Schwung kommt.

Dazu einige Zahlen:

Im November war der US-Einkaufsmanagerindex (ISM) erstmals seit drei Jahren unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. Derzeit sind fast 50 Millionen US-Bürger zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts auf staatliche Unterstützung angewiesen: Ohne die berüchtigten Food-Stamps würden viele Menschen in den USA schlicht verhungern.

Die Zahl der US-Bürger, die keine Arbeit haben, notiert unterdessen auf dem höchsten Stand seit 1975. Die folgende Grafik wirft ein interessantes Schlaglicht auf die in allen Medien hier zu Lande unablässig gefeierten, weil angeblich so „tollen“ Arbeitsmarktzahlen aus den USA. In Wahrheit ist der US-Arbeitsmarkt in einem desaströsen Zustand.
USA not in labor force JPG

Mit Blick auf die jüngste Zinserhöhung der Fed kann man daher von einer „Verzweiflungstat“ sprechen, mit der die Notenbank vor allem die Gemüter beruhigen und die Illusion einer prosperierenden US-Wirtschaft aufrecht erhalten wollte. Nach dem Motto: Jetzt bloß noch schnell die Zinsen anheben, bevor die Schwäche der US-Wirtschaft einen solchen Schritt gar nicht mehr zulässt.

Hinzu kommt: In den letzten Wochen des „alten Jahres“ hatten die Kapitalmärkte eine Zinserhöhung längst vorweggenommen. Wäre sie erneut ausgeblieben, wie zuletzt im Oktober 2015, hätte die US-Notenbank jeden noch verbliebenen Rest an, nun ja, „Glaubwürdigkeit“ verloren.

Bei einer Fortsetzung der Nullzinspolitik wären die Börsen wohl in den freien Fall übergegangen, wie das im Oktober bereits ansatzweise zu sehen war. Nun aber wird den Anlegern erneut der Anschein von „Normalität“ vorgegaukelt.

Doch die Rechnung für den geldpolitischen Irrsinn, den die Notenbanken rund um den Erdball nunmehr seit Jahren veranstalten, wird man uns irgendwann präsentieren. Bargeldverbote, negative Zinsen, Enteignungen im Zypern-Stil und andere unerfreuliche Maßnahmen sind nur noch eine Frage der Zeit.

Was bedeutet dies nun aber für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten?

Während naive Gemüter nach dem symbolischen Zinsschritt der US-Notenbank noch eine Weile der Illusion frönen können, 2016 werde das Jahr der „großen Zinswende“, und mithin einer restriktiveren Geldpolitik in den USA, ist das genaue Gegenteil sehr viel wahrscheinlicher:

Endlich geht der Vorhang auf und die Wahrheit über dieses durch und durch verlogene, korrupte und zerstörerische Schuldgeldsystem kommt ans Licht. Das zeigt sich jetzt an immer mehr Stellen. Etwa bei den unablässig wachsenden Staatsschulden oder der nachlassenden Wirkung finanzpolitischer Manipulationen. Die steigende Kriegsgefahr rund um den Globus ist ebenso ein Indiz monetärer Demenz, wie die demnächst wieder anstehenden „Bankenrettungen“ auf Kosten der Steuerzahler oder die absehbare soziale Katastrophe, die sich in Deutschland unter den Augen einer völlig überforderten, unfähigen und ferngesteuerten Kanzlerin anbahnt.

Und weil immer mehr Menschen begreifen, dass dies alles ineinander greift, werden auch die Probleme unseres ungedeckten, dollarzentrierten Geldsystems immer offensichtlicher.

Dies wird unserer Einschätzung nach dazu führen, dass die Notenbanken in 2016 geradezu gezwungen sein werden, mit einer nie für möglich gehaltenen Geldflut den unvermeidlichen Zusammenbruch dieses Systems noch einmal nach hinten zu verschieben – ganz ähnlich wie im Jahr 2008. Ob dies erneut gelingt, ist freilich eine ganz andere Frage.
Andreas Hoose – Antizyklischer Aktienbrief

 

5 Kommentare auf "2016: Die größte Geldflut aller Zeiten…"

  1. Anstalt sagt:

    „Monetäre Demenz“ ist eine sehr treffende Begriffsbildung.
    Die eher in Moll gehaltene Analyse ist schlüssig. Die große Korrektur ist ja auch seit langem überfällig. Die Frage ist, ob man wie ein Kaninchen auf die Schlange schauen muss, oder ob es noch Möglichkeiten gibt das System zu ändern, ohne vorher einen Totalcrash hin zulegen. Schließlich ist das System ja von Menschen gemacht und kann von Menschen geändert werden.

    • m. sastre sagt:

      „Die Frage ist, ob man wie ein Kaninchen auf die Schlange schauen muss, oder ob es noch Möglichkeiten gibt das System zu ändern, ohne vorher einen Totalcrash hin zulegen.“

      Genau dies ist die zentrale Frage, die jedoch mittlerweile mit einem klaren „Nein“ zu beantworten sein dürfte, denn die Schwerfälligkeit des seit Jahrzehnten etablierten wirtschaftlichen und politischen Systems ist so umfassend, daß die zur Verfügung stehende Zeit wahrscheinlich nicht einmal ausreichen wird, um den bevorstehenden Aufschlag zu dämpfen.
      Wer über Mittel und Wege verfügt, der kann für sich selber und die ihm nahestehenden Menschen versuchen eine gewisse Resilienz zu erzeugen, die die schwersten Krisenfolgen abmildern könnte. Die weit überwiegende Mehrheit dürfte jedoch dazu nicht in der Lage sein und wird die kommenden Verwerfungen in vollem Umfang zu spüren bekommen.
      Das Gute an der Demokratie ist, daß die Völker die Regierungen bekommen, die sie verdient haben…

  2. Avantgarde sagt:

    Also jetzt doch bitte mal ein wenig auf dem Teppich bleiben.
    19 Mrd. – das war in D grad 2X die Rettung einer kleineren Bank namens IKB.

    Wenn man den Chart der letzten 10 und nicht der letzten 5 Jahre zeigt sieht das ganze schon etwas anders aus.
    Ich will damit nicht sagen, daß da kein Korrekturpotential wäre aber die Dramatik ist dann doch nicht ganz so zwingend.

    Jetzt macht China halt das was in J, USA, EU schon zur Gewohnheit wurde – die Währung abwerten – wer kann ihnen das verdenken?

  3. Helmut Josef Weber sagt:

    Wenn ich eine Leistung erbringe, bei der mir ein bunter Zettel als Bezahlung versprochen wird, den ich am Ende des Arbeitstages bei LIDL oder ALDI gegen etwas Essbares eintauschen kann, dann ist das ja auch in Ordnung.
    Auch wenn ich eine Woche oder mehrere Wochen meinen Lohn in der Form von bunten Zetteln oder einer elektronischen Buchung auf meinem Konto erhalte, womit ich meine laufenden Kosten bezahlen kann, dann ist das auch gut und auch recht praktisch.
    Problematisch wird es aber, wenn ich elektronische Buchungen als Vermögensspeicher ansehe, z. B. für den Aufbau einer privaten Altersrente.
    Die Menschen hoffe dann, dass das Medium im Speicher die etwa 30 Jahre seinen Wert behält, während sie ansparen und auch noch etwa 10 bis 20 weitere Jahre, während sie es im Rentenalter verbrauchen.
    Die Menschen sollen also Vertrauen in ein System haben, von denen bis heute, in der ganzen Menschheitsgeschichte, alle in dem Bankrott geendet haben?
    Mein Opa sagte früher immer:“Das kann man einem erzählen, der die Hose mit der Kneifzange anzieht“
    Er hatte 2x sein Geld verloren.
    Schulden in einem Schuldensystem können nur gestrichen werden, wenn Guthaben gestrichen werden, und wenn ich dabei den Lohn für einen Tag oder einen Monat Arbeit verliere, dann ist das schon traurig, aber eine ganze Altersversorgung?
    Solange die Menschen glauben, dass sie das, was sie eingezahlt haben, zumindest einmal mit ein paar Zinsen zurückbekommen (wovon sie dann auch noch Steuern zahlen dürfen) im Alter verbrauchen können, wird sich das System weiterdrehen.
    Dass die Menschen damit aber russisch Roulette spielen, mit 5 Patronen in den Kammern, ist ihnen offensichtlich nicht bewusst.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  4. Wenn ich diesen mit vielen Wahrheiten gespickten Artikel lese, kann
    einem angst und bange werden. Ich denke auch das früher oder später die große Finanzblase platzen wird. Und dann?
    Aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Aber es fällt zunehmend schwerer.
    Nochmal vielen Dank für diesen schonungslosen Beitrag.

    Gruß Klaus-Dieter

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