2. Schuldenschnitt. Nach der Bundestagswahl.

10. Juli 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer 

Klarspeak vom Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Der Neue macht sich gut, auch wenn sein Start etwas holprig war. Dijssel…was? Das ist der, der offenbar doch nicht ganz aus Versehen die Beteiligung der Sparer mit über 100.000 Euro auf dem Konto salonfähig machte – mit Zypern als Blaupause – und dafür arg kritisiert wurde. Nun kündigt er weitere Gelder für Griechenland an, damit sie 2014 ausgelöscht werden…

Das liebe Geld… Was wir Griechenland heute geben, ist morgen weg. Aber bitte erst nach der Bundestagswahl. Dabei sollten wir doch ein Vielfaches der „Hilfe“ zurück bekommen. Ach was! Die „Rettung“ der Hypo Real Estate sollte damals auch nichts kosten. Die Commerzbank konnte wegen 400 Millionen Euro Bonuszahlungen an ihre „unterbezahlten Verlustbringer“ leider auch keine Zinsen auf die Hilfsgelder deutscher Steuerzahler überweisen. Zum Glück vergessen wir aber fast alles wieder nach sechs Monaten. Statistisch gesehen…

Der neue Eurogruppen-Chef hat weitere Unterstützung der Euroländer für Griechenland angekündigt. Soso… Könnte man bitte den Begriff „Hilfe für Griechenland“ entsorgen? Es ist Bankenrettung in Reinkultur. Bitte auch den Begriff „Eurorettung“ entsorgen! Danke!

Im April 2014, also nach der Bundestagswahl und der breiten Zustimmung der großen Koalition, soll es einen kompletten Kassensturz in Griechenland geben. Die Lage ist aussichtslos, so kurz nach dem ersten Schuldenschnitt. Danach, so Dijsselbloem weiter, werde über weitere Maßnahmen entschieden. Er brachte, oh Wunder, einen weiteren Schuldenerlass ins Spiel – dazu eine direkte Rekapitalisierung griechischer Banken über den ESM. Ist er dann leer? Man müsste ihn dann wieder auffüllen.

Auch für Irland und Portugal soll es weitere Hilfe geben. Bitte auch das Wort „Hilfe“ durch „Möglichkeit eines legitimierten Bankraubs“ ersetzen!

Ich mag den Dijsselbloem. Er ist so schön erfrischend. Wer sonst spricht Dinge aus, die alle schon wissen?

Griechenland hat es wieder in die Schlagzeilen geschafft. Man sagt den Griechen fehlenden Sparwillen nach. Sie stehen unter Aufsicht fremder Mächte – der Troika. Der Begriff erinnert an Sowjetunion. Der Weg stimmt schon mal. Transfusionen gibt es jetzt in Raten aber mit Gewissheit, dass die Gelder noch eine Weile bei den Inhabern der Schuldenpapieren ankommen wird. Viele Anleihen sind in den letzten drei Jahren ausgelaufen. Griechenland hat die vollen Beträge an die Gläubiger überwiesen, vielleicht auch an manchen Handelsblatt-Leser, der damals aus Solidarität griechische Anleihen kaufte. Die Schulden wanderten unterdessen von den privaten in die öffentlichen Hände. Das Geld für die Auszahlungen kam vom Steuerzahler.

Ist es nicht herrlich zu beobachten, wie egal es diesem ist? Es ist Sommer. Und mal ehrlich… das Thema hat sich so abgenutzt wie zu lange getragene Schuhe. Ob eine oder einige Milliarden…

Ich beobachte die Nachbarn beim Grillen, erlebe die Experten im Gesundbeten und bitte sie vergeblich um etwas Kraut vom Strauch, von dem sie rauchen. Es gibt doch tatsächlich welche, die sagen, dass sich Griechenland Ende Juli über die nächsten vier Milliarden Euro Hilfsgeld freut… Zu behaupten, „die Griechen“ bekämen Geld, ist an Dummheit oder Zynismus nicht zu überbieten.


 

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Ein Kommentar auf "2. Schuldenschnitt. Nach der Bundestagswahl."

  1. crunchy sagt:

    Gibt es auf dem Parkett eigentlich jemanden, der etwas anderes als die „Alternative für Deutschland“ wählt?

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