15. März: Der Schicksalstag 2017?

10. März 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Geblendet von steigenden Kursen haben viele Anleger den kommenden Mittwoch völlig aus den Augen verloren. Dabei stehen weitreichende Entscheidungen auf der Agenda, die an den Kapitalmärkten gewaltige Bewegungen auslösen könnten…

Ist es nicht merkwürdig, dass auf den diversen Finanzseiten derzeit so wenig über den Mittwoch kommender Woche diskutiert wird? Dabei hat es dieser Tag in sich. Am 15. März 2017 könnte sich viel mehr entscheiden, als nur die weitere Richtung an den Kapitalmärkten.

Da wären zunächst die Wahlen in den Niederlanden.

Pressestimmen zufolge verliert die „Partij voor de Vrijheid“ (PVV, „Partei der Freiheit“, PVV) des rechtskonservativen Geert Wilders wenige Tage vor dem Urnengang deutlich an Zustimmung. Was für ein Zufall! Wie die Demoskopen allerdings weiter mitteilen, sind fast 75 Prozent der Wähler noch unentschlossen.

Tatsächlich dürfte mittlerweile auch der letzte Schlafmichel begriffen haben, was von solchen Umfragen zu halten ist. Nach dem Brexit-Debakel im Sommer vergangenen Jahres und der historischen Schlappe der Wahlforscher im Vorfeld des Trump-Siegs in den USA, muss man daher am 15. März in den Niederlanden mit allem Möglichen rechnen, am ehesten aber wohl mit dem, was derzeit NICHT prognostiziert wird.

Ein Erdrutschsieg von Geert Wilders etwa wird derzeit nicht erwartet. Auch ein Regierungsbündnis unter Beteiligung des Eurokritikers wäre so ein „blinder Fleck“, den man im Auge behalten muss: Weil ein solcher Zusammenschluss derzeit von allen anderen Kandidaten kategorisch ausgeschlossen wird, sollte man genau damit rechnen – und man sollte wenigstens eine ungefähre Vorstellung davon haben, was dieser Geert Wilders eigentlich möchte.

Das Wahlprogramm des Eurokritikers ist schnell herunterdekliniert: Keine Moscheen, Koranverbot, Islam-Stopp, Grenzen schließen, mehr Geld für Rente, Pflege und Soziales. Den größten Sprengstoff aber hat sicherlich der von Wilders immer wieder geforderte Austritt der Niederlande aus der EU.

Was dies für die Eurozone bedeutet, kann man sich leicht ausrechnen: Die ohnehin stetig zunehmenden Zentrifugalkräfte, die sich derzeit nicht nur in den auseinanderlaufenden Zinssätzen der Euroländer zeigen, werden sich weiter verstärken, sollte Wilders die Wahl gewinnen – und zwar ganz unabhängig von einer möglichen Regierungsbeteiligung. Denn in den übrigen Euro-Ländern stehen weitere Protagonisten schon in den Startlöchern, um auf den anrollenden Zug der Eurokritiker aufzuspringen.

Blicken wir über den großen Teich. Dort ist der 15. März 2017 ebenfalls von herausragender Bedeutung:

Im Oktober 2015 hatte sich der US-Kongress darauf geeinigt, die Schuldenobergrenze auszusetzen. Dieser Zeitraum endet am kommenden Mittwoch. Dann könnte sich auch zeigen, inwieweit die treibenden Kräfte ein Interesse daran haben, den pausenlos kritisierten US-Präsidenten auszubremsen.

Nichts wäre leichter als das: Wird die Schuldenobergrenze nach dem 15. März nicht sehr deutlich angehoben, sind die Vereinigten Staaten spätestens im Sommer pleite. Donald Trump stünde dann vor dem Problem, das daraus resultierende Chaos seinen Landsleuten erklären zu müssen.

Für den Moment scheint ein solches Szenario äußerst unwahrscheinlich, denn den Sündenbock Donald Trump wird man vermutlich nicht schon jetzt über die Klinge springen lassen. Daher wird es wohl auf eine mehr oder weniger deutliche Anhebung der Schuldenobergrenze im zweiten Halbjahr 2017 hinauslaufen.

Die neuen Schecks hat der neue US-Präsident auch dringend nötig, und er wird davon ausgiebig Gebrauch machen. Im Klartext: Nach dem 15. März wird sehr wahrscheinlich auch den umnebelten Börsianern klarwerden, dass sich der Papiergeldwahnsinn seinem nächsten Stadium nähert: Die Schulden in den USA dürften für das geplante Infrastrukturprogramm massiv ansteigen.

Schulden rauf – Zinsen auch…

Das führt uns zu einem delikaten Punkt. Denn explodierende Staatsschulden und steigende Leitzinsen vertragen sich vorsichtig ausgedrückt nicht besonders gut. Dessen ungeachtet spricht sich die US-Notenbank in jüngster Zeit, genauer gesagt seit dem Amtsantritt von Donald Trump, immer deutlicher für zügige Zinsanhebungen aus. Auch hier wird der 15. März Klarheit bringen: Nach Lage der Dinge wird die US-Notenbank dann den nächsten Zinsschritt verkünden.

Und damit wären wir beim Goldpreis: Dort könnte der kommende Mittwoch ebenfalls wichtige Weichenstellungen bringen. Allerdings anders als vermutet. Dazu ein Blick in die jüngere Vergangenheit:

Während der vergangenen 15 Monate hat die Fed nach jahrelanger Nullzinspolitik zweimal die Zinsen angehoben, und zwar am 16. Dezember 2015 sowie fast genau ein Jahr später am 14. Dezember 2016. Bemerkenswerterweise markierte der Goldpreis in beiden Fällen ein wichtiges Bewegungstief. Die folgende Abbildung zeigt das.

Das heißt, anders als so gut wie alle Experten erwartet hatten, ist mit den steigenden US-Leitzinsen der Goldpreis nicht eingebrochen, sondern deutlich gestiegen, nämlich ab Dezember 2015 innerhalb eines halben Jahres von 1.047 US-Dollar auf 1.375 US-Dollar je Feinunze im Sommer vergangenen Jahres. Das war ein Wertzuwachs von rund 31 Prozent.

Der Beginn der zweiten Aufwärtswelle war ebenfalls auf den Tag genau mit einer Zinsanhebung der US-Notenbank zusammengefallen. Die Bewegung hängt bislang zwar noch deutlich hinter der Vorjahresrallye zurück, aber bis zum Sommer, der in diesem Jahr besonders turbulent ausfallen dürfte, dauert es ja auch noch eine ganze Weile.

Kurzfristig befinden sich die Edelmetalle erneut in einer Art „Streckfolter“ und für viele Experten und Anleger dürfte es „ziemlich klar“ sein, dass die Kurse weiter einbrechen werden, sollte die Fed nun erneut an der Zinsschraube drehen.

Tatsächlich dürfte das genaue Gegenteil eintreten.

Richtig interessant wird es allerdings erst bei einem Monatsschlusskurs oberhalb von 1.256 US-Dollar je Feinunze. Dort verläuft der gleitende 50-Wochen-Durchschnitt, wie die Abbildung oben zeigt.

Nach den Erfahrungen der Vergangenheit ist zu erwarten, dass der nächste Zinsschritt der US-Notenbank am kommenden Mittwoch den Goldpreis über diese wichtige Hürde befördern wird.

Gold soll wieder Geld werden…

Sollte sich dann noch eine Initiative durchsetzen, deren Ziel es ist, Gold und Silber im US-Bundesstaat Arizona wieder als Zahlungsmittel zuzulassen, könnte es schnell gehen bei den beiden Edelmetallen.

Passend zur allgemeinen Lage kann man den Gesetzentwurf mit dem Titel HB2014 als Kampfansage an den Papiergeldwahnsinn der weltweit agierenden Notenbanken interpretieren.

Das wurde aber auch Zeit…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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2 Kommentare auf "15. März: Der Schicksalstag 2017?"

  1. bluestar sagt:

    Immer schön ruhig bleiben, es wird dieses Jahr nichts passieren in Bezug auf Paradigmenwechsel in Europa. Das erledigt die Realität später zwingend selbst, dann wird es zwar unkontrolliert bis chaotisch ablaufen, aber was soll es. Die perfekt arbeitende Verblödungsindustrie mit angeschlossenen Meinungsinstituten sorgt schon dafür, dass die Masse der Schlafschafe schön brav bleibt. Gestern hat ja die Katholische Kirche in Deutschland ihren Mitgliedern befohlen nicht die AfD zu wählen. Komisch, bei islamistischer Einwanderung war es noch ganz still bei diesem Konzern. Willkommen im Club liebe Kirche.
    Was den Goldpreis betrifft muss ich immer wieder staunen. Wer sich mit Vermögenspreisen und deren Blase beschäftigt kann wohl nicht anders als bedruckte Baumwolllappen in Geld umzutauschen. Und wer dazu noch etwas Kitzel braucht, ist mit Minenaktien wohl bestens unterwegs…

  2. Skyjumper sagt:

    Wenn ich mich nicht irre besteht ein ähnliches Gesetz in Utah bereits seit 2011. Zumindest seine Schulden beim Staat kann man seitdem bereits in Gold und Silber bezahlen. Wenn ich es weiter richtig erinnere war Arizona schon mal knapp davor ein ähnliches Gesetz in Kraft zu setzen, scheitere aber am Veto der eigenen Gouverneurin nachdem bereits alle sonstigen Hürden genommen waren. Auch in Virgina, Wyoming, Montana und Missouri gab (gibt?) es vergleichbare Initiativen.

    Das ist also zunächst mal keine Meldung die soviel Sprengkraft in sich birgt wie scheinbar impliziert werden soll.

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