100.000.000.000.000 Dollar – Jede Null zählt! Willkommen in Simbabwe!

17. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Der Wert von Goldes hat sich auch in dieser Woche mal wieder keinen Deut verändert. Eine Unze ist eine Unze geblieben. Mit den Preisen ist das so eine Sache. Für einen Euro bekommt man heute 1/633 oz des gelben Metalls. In Simbabwe ist das ähnlich, bloß streiken beim Umrechnen die Taschenrechner. Dort hat heute ein neuer Geldschein das Licht erblickt – die 100.000.000.000.000 Simbabwe Dollar-Note…

Eine Teil einer Illusion, die wir Menschen „Papiergeld“ nennen, wurde in dieser Woche röchelnd in einer Ecke gefunden. Die Hilferufe kamen aus Simbabwe. Dort hat der erste 100 Billionen – Schein das Licht erblickt. Die Geburt war ganz einfach. Mit einem Knopfdruck an einer Maschine, drehte sich die Walze und erzeugte den ersten dieser Scheine. Sie werden für den „Komfort des Publikums“ in Umlauf gebracht, betonte die Zentralbank. Dieser Schein ist Teil eines öffentlichen Spektakels, bei dem es nur Verlierer gibt. Heute bekommt man für 100 Billionen umgerechnet 48 Brote. Morgen ein paar Scheiben weniger. In Deutschland gab es ein solches Spektakels auch schon, in den 20er Jahren – in der Zeit der Hyperinflation. Die Gründe lagen ähnlich.

Der einstige Modellstaat befindet sich in der schwersten Krise seiner Geschichte. Es war eben ein nur Modell, welches gründlich verpfuscht wurde, wohl mit der gleichen Illusion – die Welt besser zu machen und Jobs zu retten. Die eigenen.

Vor vier Tagen wurde der erste 50 – Milliarden Dollar- Schein herausgebracht. Damals vor 92 Stunden Tagen wurde solch einer auf dem Schwarzmarkt gegen 0,93 Euro getauscht, bzw. man konnte dafür noch drei Zeitungen kaufen. Heute ist die 100 Bio. Note billiger als Klopapier. Die statistische Abteilung der Notenbank meldet eine Inflationsrate von 231.000.000 Prozent. Eigentlich ist es zehn mal mehr. Aber das kennt man ja.

Zentralbankchef Gideon Gono wird auch in der kommenden Woche an den Apparaturen die Knöpfe drücken. Vielleicht ist er der Zeit ja meilenweit voraus. Nur hat es in der restlichen Welt noch niemand gesehen. Wer schaut schon nach Simbabwe und studiert die monetären Besonderheiten? Gono könnte als strahlendes Vorbild gelten im Umgang mit Geld. Sein Kampf gegen die Deflation war so erfolgreich, dass seine Artgenossen im Rest der Welt um Rat fragen könnten.

Immobilienpreise und Lotteriegewinne werden in Billiarden angegeben. Geldautomaten kapitulieren vor den Zahlen mit den irrwitzig vielen Stellen. Wer 50 Euro in die heimische Währung tauschen will, benötigt dafür eine Schubkarre und wer damit unterwegs ist, muss befürchten, dass diese ihm gestohlen wird, nachdem vorher das Geld ausgekippt worden ist.

Dabei liegen die Dinge ganz einfach. Zuviel Papiergeld ohne Gegenwert bringt die Preise für alles andere zum Steigen. Unsere Hüter der Währung bringen zur Zeit Billionen neuer Gelder auf die Welt. Es ist so, als fluten sie die Straßen und Plätze, doch niemand will sich bücken. Noch nicht. Vielleicht steht bald das Geld zwei Meter hoch in den Gassen. Dann wird man es saufen müssen. Und wenn nicht der Bürger, dann der Staat – also wir. Es brächte alle Schulden um. Wie nett, sich durch Inflation zu sanieren. Gono hätte da einen Plan. Und Bernanke Hubschrauber.

Leider werden die Zeilen keinen Leser in Simbabwe erreichen, denn dann würden die Scheine nach Europa geschickt. Sammler von Geldscheinen zahlen ein paar Euro dafür. Es wäre für die Einwohner dieses geschundenen Landes lohnender, ihre Papierschnipsel auf europäischen Auktionsplattformen zu versteigern, als vor Ort arbeiten zu gehen.

Welchen Vorteil hat so ein Dollar, außer sich den Hintern damit abzuputzen, wenn Klopapier unerschwinglich geworden ist?

Für Sammler ist es ein lohnendes Geschäft, denn diese Währung wird irgendwann verschwinden und auch diejenigen, die dafür verantwortlich sind – hinter Schloss und Riegel.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.