100 Jahre Missmanagement

28. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

Bill Bonner

Es muss in der Hölle eine dunkle Ecke geben, die gerade für die modernen Wirtschaftswissenschaftler aufgewärmt wird. Sie haben dazu beigetragen, die schlimmste Krise aller Zeiten zu verursachen… mit ihren Theorien der effizienten Märkte und dem Modern Portfolio Management. Sie sind daran gescheitert, zu erkennen, was es wirklich war. Und dann kamen die Probleme, und sie haben diese noch schlimmer gemacht.

Aber anstatt sich an die feuchte Zelle zu gewöhnen, sind eben diese Wirtschaftswissenschaftler auf die Bühne stolziert und haben sich selbst gratuliert.

„Die schwerste Krise, die sich so leicht im Jahr 2009 hätte ereignen können – die es aber nicht tat – ist der Verdienst, den die Welt den Wirtschaftswissenschaftlern verdankt“, schreibt Arvind Subramaniam in der Financial Times.

Ich hatte von Anfang an Schwierigkeiten, diesen Satz zu verstehen. Er ist so verwirrt und kindlich, wie der atemberaubende Betrug, der dahinter steckt. Doch dann richtet Mr. Subramaniam die Bühne her:

Im Jahr 2008, als sich die Finanzkrise langsam entwickelte, schien die Reputation der Wirtschaftswissenschaften als Disziplin und der Wirtschaftswissenschaftler als nützlicher Politikmacher unwiederbringlich eingebrochen. Queen Elizabeth fing die Stimmung ein, als sie pointiert fragte, warum niemand (und insbesondere nicht die Wirtschaftswissenschaftler) die Krise hatten kommen sehen. Und es besteht gar kein Zweifel daran, dass diese Branche – mit Ausnahme einiger weniger Kassandras, die die Untergangsstimmung richtig vorhergesehen hatten – im großen Stile gescheitert war.“

Er weist die Queen dann mit einer sehr klugen Frage zurück:

Aber es wird immer zu Krisen kommen, und selbst wenn es eine regelhafte Wiederkehr der Krisen gibt, wie die Professoren Reinhart und Rogoff verzeichnet haben, werden ihr Timing, die Form und die Herkunft der Vorhersage immer entgehen.“

Doch zeigt der Nachweis nicht, dass die Krisen der Vorhersage entgehen, und jeder Idiot hätte diese Krise kommen sehen können. Aber die Prognostiker, die so gründlich zur Krise beigetragen haben, haben sich selbst mit ihrem eigenen Unsinn geblendet. Doch Mr. Subramaniam geht immer noch davon aus, dass man den Berufszweig aufgrund der Art, wie er auf die Krise reagiert hat, doch wieder rechtfertigen kann.

Bei der Geldpolitik hielt sich Bernanke an das Wort, das er Milton Friedman anlässlich seines 90. Geburtstags gegeben hat: Was die Weltwirtschaftkrise anbelangt, haben sie Recht. Wir haben es dahin gebracht. Es tut uns leid. Aber es ist Ihnen zu verdanken, dass es dazu nicht wieder kommen wird. Bernanke, der hervorragende Kenner der Weltwirtschaftskrise, fand einige konventionelle und einige sehr unkonventionelle Möglichkeiten, es nicht wieder dazu kommen zu lassen. Zum Gipfel seiner Interventionen glich die amerikanische Zentralbank der sowjetischen Gosbank – mehr ein Mikroverteiler von Krediten, als ein Verwalter der makroökonomischen Politik.“

Das war vermutlich nicht der Punkt, um den es ihm ging, aber die amerikanische Zentralbank gleicht der Gosbank aus der sowjetischen Ära – sie manipuliert, mischt sich ein und verwaltet die Wirtschaft so, dass sie nun auf dem Weg in die Zerstörung ist. Gleichzeitig leistet sich auch der Kongress ein Management im sowjetischen Stil. Er war zeitweise im Besitz des größten Automobilunternehmens im Land und des größten Versicherers. Sie haben den Hinweis in den Schriften des akademischen Schreibers der alten Tage gefunden – Lord Keynes – und sie haben an den Stellen, an denen die private Nachfrage eingebrochen war, eine gewaltige öffentliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen hervorgebracht.“

Ich schnappte immer noch nach Luft, als der Kolumnist Martin Wolf den Geist Keynes erneut anrief. Auch ihm lief ein Schauer über den Rücken, wenn er daran dachte, wie schrecklich es hätte ausgehen können, wenn die Finanzbehörden nicht rechtzeitig beherzt eingegriffen hätten:

Zu diesen Zeiten hätten wir noch nicht einmal das Überleben der Menschheit selbst garantieren können. Niemals zuvor habe ich so stark die Kraft von John Maynard Keynes Ansprache an die Wirtschaftswissenschaftler wahrgenommen.

Gibt es noch irgendeinen Zweifel, dass Keynes ein Taugenichts war? Die Zivilisationen blühten schon tausende von Jahren, ehe der erste Mensch seinen Unterhalt als Wirtschaftswissenschaftler verdient hat. Die Krisen kamen und gingen. Im 19. Jahrhundert beispielsweise, gab es Paniken gefolgt von Krisen in den Jahren 1819, 1837, 1857, 1873, und 1893. Nicht eine dieser Krisen schien einen großen „Modifikator“ zu brauchen. Hunderte von Banken sind gescheitert. Der Zivilisation schien das alles nichts auszumachen. Die Reichen und die Mächtigen haben ihre Lumpen wie alle anderen auch zusammengesucht. Den meisten Menschen hat es gefallen, ihnen bei ihrem Untergang zuzusehen. Die Geschäfte gingen weiter.

Heiligabend im Jahr 1913 hat der Kongress den Federal Reserve Act in Kraft gesetzt, und damit Amerikas Zentralbank eingerichtet. Erst zu diesem Zeitpunkt schlossen sich die Hände der Banker um die Kehlen der Wirtschaft. Der Dollar war das gleiche Wert wie hundert Jahre zuvor. Jetzt, fast hundert Jahre später, ist er nur noch drei Cent wert. Und nur 16 Jahre nachdem die Wirtschaftswissenschaftler ihre Posten bei der amerikanischen Zentralbank besetzt hatten, kam eine Krise, die schlimmer war als alles, was das Land je erlebt hatte – zumindest war es das Schlimmste, nachdem die Wirtschaftswissenschaftler damit fertig waren.

Die Weltwirtschaftskrise war womöglich ein Unfall, aber die Entwertung des Dollars mit Sicherheit nicht. Es war nur eine Frage der Politik. Die Wirtschaftswissenschaftler, angeführt von Keynes, hatten die Vorstellung, dass sie die Wirtschaft vorantreiben könnten, indem sie eine Phantomnachfrage hervorrufen – in Form zusätzlicher Kaufkraft.

Der Goldstandard stand ihnen damals im Weg, man ließ ihn links liegen wie eine schlechte Wohngegend. Zuerst nur vorübergehend… dann teilweise… dann im Jahr 1971 vollständig. Der erste Boom der Verbraucherkredite kam in den Zwanzigern… und führte zur Weltwirtschaftskrise. Bis zu den 1980ern, 50 Jahre später, hatten die Amerikaner den letzten Rest der Angst vor Schulden verloren. Der Verbraucherkredit boomte wieder. Und dann erreichte er die Blasenphase. Die Wirtschaftswissenschaftler verstanden nicht, was da los war. Das verstehen sie nur selten. Aber sie mussten eine hundertjährige Flut der Verbraucherschulden erschaffen. Jetzt gratulieren sie sich selbst. Die Haushalte brechen ein, aber die Zivilisationen schwimmen weiterhin oben.

Quelle: Kapitalschutz Akte
100 Jahre Missmanagement (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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