10-€-Schein: EZB erweckt „schönen Schein“ mit Youtube-Werbung

4. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

Gastbeitrag von The German Perspektive

„Der neue 10-€-Schein. Manchmal ist das viel Geld und manchmal auch nicht.“ So heißt es im neuen Youtube-Werbespot(t) den die EZB pünktlich zur Einführung der neuen Papierschnipsel aus eigener Herstellung hat produzieren lassen. Und die EZB hat recht, für manche Europäer sind 10€ zwischenzeitlich sehr viel Geld…

Lachende Kinder an der Zuckerwatte, glückliche Rentner im Oldtimer, arbeitende junge Italiener im Café und sportlich schlanke Iren im Hochseilgarten zahlen jetzt zusammen mit 338 Millionen Europäern mit der neuen 10€ Banknote und alle sind sie „gemeinsam stärker mit dem Euro“. In schillernden Farben wird dem geneigten Youtube-Zuschauer dieser Tage ein Werbespot serviert, der unser aller Zukunft mit dem neuen 10€ Schein aufzeigt. Das Problem ist nur, dass trotz des neuen „Geldscheins“ in der Euro-Zone mit dem Geld einiges nicht zu stimmen scheint.

YouTube Preview Image

So dürften z.B. die Kinder und Rentner in einigen Staaten der Euro-Peripherie nicht unbedingt glücklich sein und nichts zu lachen haben. Der griechische Haushaltsausschuss teilte so z.B. vor Tagen auf Anfrage mit, dass in Griechenland 6,3 Millionen bzw. 58,3 % der Einwohner direkt oder indirekt von Armut betroffen sind. Zwar ist es interessant, dass die EZB mit dem Kind-10€-Zuckerwatte-Bild andeutet, dass eine kleine Portion Zuckerwatte bei fortschreitender Inflationspolitik der Zentralbank bald 10€ kosten dürfte, aber das wird wohl nicht die Kernaussage des Films sein. Ebenso wenig, dass der durchschnittliche Rentner in der Euro-Zone sich bald nur noch eine alte Klapperkiste leisten kann…

Auch die im EZB-Spot(t) proklamierte Jugend die in Italien oder sonstigen Südländern gerne für Trinkgeld (und ohne Lohn) im Café arbeitet, ist wohl eher ein Werbegag, denn 44,2 % der Italiener unter 25 Jahren haben aktuell keine Arbeit, weder im Café noch sonst wo. Auch in Spanien (53,7 %) und Portugal (35,6 %) wird das Trinkgeld ob der schlechten Beschäftigungssituation für junge Bürger aktuell eher mager ausfallen.

Mager hingegen sind die in der geldwerten Werbung gezeigten Iren, was sich jedoch leider ebenso als EZB-Falschmeldung herausstellt. Denn eine Pharma-Studie zeigt, dass gerade die Iren mit 23,0 % der Bevölkerung das mit Abstand übergewichtigste Volk der Eurozone sind. Daher könnte ein Preisanstieg bei Zuckerwatte gerade in diesem Euro-Mitgliedsstaat für eine Verbesserung der Volksgesundheit sorgen. Dass nun gerade die dicken Iren von der EZB in einem Hochseilgarten dargestellt werden, darf dennoch als Metabotschaft gewertet werden, denn die irischen Staatsfinanzen sind ebenso ein Drahtseilakt und hängen am seidenen Faden wie die Argumentation der EZB, dass die oben beschriebenen Problem-Europäer „gemeinsam stärker mit dem Euro“ sind. Das wird so zwar immer propagiert, doch die Realität beweist zumindest in den beschriebenen Beispielen gerade irgendwie das Gegenteil.

Nach nunmehr fast einem halben Jahrzehnt der Rettungsmaßnahmen, Rettungsschirme und Anleihekaufaktionen steht nach neuesten Studien ein Großteil der Euro-Zone keineswegs besser da als vorher. Dass sich die Europäische Zentralbank nun im Zuge der Einführung neuer bunter Papierschnipsel bemüßigt sieht eine Imagewerbung für die eigene Währung zu machen, spricht Bände über den Erfolg und die Stabilität der eigenen Druckerzeugnisse.

The German Perspective




 

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Ein Kommentar auf "10-€-Schein: EZB erweckt „schönen Schein“ mit Youtube-Werbung"

  1. Michael sagt:

    Es ist das Bild eines modernen weltoffenen Europas. Kann für Österreich an sich sagen, jene Institutionen die seitens der E.U. eröffnet wurden, oder unter dem Label laufen, sind offen konzipiert.

    Ist bei uns in Österreich doppelt gemoppelt. Die Babenberger Community heißt an sich jeden, egal wo er sich auf der Welt befindet, willkommen, wenn sich dieser einbildet ein Österreicher zu sein. Sei ihm dies vergönnt. Ist mit dem Europäer nicht viel anders.

    Wäre es nicht ein guter Gedanke, der an sich aktiv von der EZB und der FED vorgelebt wird, ein Geldsystem durch Tauschmittelordnungen zu ersetzten und im Zuge einer offenen und ehrlichen Diskussion den Bürgern sagt, ‚Tausch ja – Wertaufbewahrung nein‘. In dem Punkt kann man Zweifel anmelden. Es verbleibt der MOB – Means Of Barter. Unifunktionaler Geldersatz – Substitute Money genannt Dollar oder EURO. Methadon für die Banker.

    In dem Sinne ist die Nackheit des Kaisers noch unter der Tarnkappe der Illusion von Geld getarnt.

    Tritt jener mal darunter hervor, verbleibt eine Schrecksekunde in der sämtliche absurden Konzepte wie Nationalität auflösen wie der Furz der sie schon immer waren diese geistigen Konstrukte die eher von Umnachtung zeugen denn Geistiger Blüte. Wurde mit der Er- anstatt der Beleuchtung des nächtens, der Deutsche Michl mit dem Base ausgeschüttet? Wer weiß das schon.

    Die Redefinition des Heiligen Röm. Reiches deutscher Nation in der Form des Heiligen Deutschen Reiches Röm. Nation wurde bereits abgeschlossen aus der Sicht der Tauschmittelordnung im Rahmen der Erleuchtung des Westens.

    Die Praxis ist im Moment die gelebte Tauschmittelordung eine Unordnung und die Öffnung Europas betrifft eher die Tasche des Bürgers. Es fehlt einfach an der Konsistenz der Umsetzung. Setze ich ein weltoffenes Europa voraus, so muss man dann auch akzeptieren vom Süden die geernteten Früchte als wertvollen Beitrag für den regen Tauschhandel zu akzeptieren oder auch vom kleinen Bauernhof mit einer gesunden Mischung von Tieren und Pflanzen. Das kann man hinbekommen. Nichts in der E.U. deutet darauf hin.

    Bleibt allein die Frage Wertspeicherung? Werterhalt ist sehr stark gepaart mit ausgewogener Vermögensverteilung. Stellt sich die Frage – Opium fürs Volk oder Methadon für die Banker? Das ist bei nicht gedeckten Währungen die Alternative. Beide sollten einen kalt lassen. Teil des Wertes von Tauschmittel selbst ist die Fähigkeit eines Wirtschaftsraums diese solange im Umlauf zu halten, sodass abgegebene Tauschmittel auch morgen wieder im Zugriff sind.

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