1.000 DAX-Punkte in einer Woche weg. Ist das ein Crash?

21. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Am Freitagabend war es dann so weit. Die 10.000er Marke im DAX war gefallen. Die EZB ist nicht ganz unschuldig daran. Und so einfach kommen große Adressen aus dem DAX nämlich gar nicht heraus, ohne ein Dessaster anzurichten!

Wie sagte heute eine vermeintlich kluge Stimme auf dem Parkett? Es gäbe mehr Verkäufer als Käufer. Das wäre der Grund für den Kursrutsch im deutschen Vorzeigeindex. Das ist natürlich grober Unsinn, denn jedem Verkauf steht ein Kauf gegenüber, das aber auf niedrigerem Niveau. Momentan gibt es offensichtlich ein größeres Verkaufsinteresse, was erst bei niedrigeren Kursen auf einen Käufer trifft. Das aber ist höhere Börsenpsychologie und das muss man offensichtlich erst studiert haben, wenn man Flohmärkte meidet und von Mister Market noch nie etwas gehört hat.

Jaja, rauf geht es über die Treppe. Abwärts über den Balkon. 1.100 Punkte Minus haben schon was. Völlig überraschend und unerwartet. Börse ist eben kein Streichelzoo.

1000

Wenn man es genau betrachtet und ganz nüchtern wägt, können große Adressen gar nicht ohne weiteres aus dem DAX aussteigen. An der Börse werden durchschnittlich täglich drei Milliarden Euro im DAX gehandelt. Dieser DAX ist aber rund 1.000 Milliarden Euro schwer geworden. Wenn es beispielsweise ein Verkaufsinteresse von nur fünf Prozent der DAX Papiere gäbe, also von 50 Milliarden Euro, würde es mindestens zwei Wochen unter normalen Umständen dauern, um diesen Auftrag abzuwickeln. Doch es sind keine „normale“ Umstände, selbst wenn nur fünf Milliarden Euro schnell mal raus wollen. Dazu sind nicht diejenigen Akteure eingerechnet, die wegen der gefallenen Kurse ebenfalls verkaufen wollen oder müssen. Das ist das eigentliche Problem. Man bekommt die Chips nicht so einfach so vom Roulettetisch geräumt und aus dem Casino getragen, ohne größere Schäden anzurichten.

Wenn eine große Adresse einige Milliarden Euro an DAX-Aktien geben würde, aus welchen Gründen immer, würden schon Kleinigkeiten die Kurse kaputtmachen, den DAX unter Druck setzen, Charts brechen, Spekulanten anziehen, die auf die gleiche Richtung setzen und den Trend verstärken. Das ist in dieser Woche passiert. Es ist fast unmöglich für großes Geld, aus einem Index auszusteigen wenn es keine größere Nachfrage gibt. Angeblich ist China daran schuld. Doch das ist ein vorgeschobener Grund. Vielleicht sind die Kurse auch viel zu weit gelaufen, weil…

Danke an die EZB!

Erinnern wir uns noch einmal kurz an die giftige Geldpolitik der EZB für einen schwächeren Euro – und wie daraufhin der DAX das Fliegen bekam. Die EZB hatte den Euro hässlich gemacht, die Bedingungen noch hässlicher und die Zinsen in den Boden gestampft, so dass es ein Einfaches war, sich in einer künftig schwächeren Währung zu verschulden – wenn man die Schulden in der dann auch schwächer gewordenen Währung später zurückzahlen kann – mit einem Gewinn. Der Carry-Trade in Europa war geboren und fühlte sich bis vor kurzer Zeit sauwohl.

Die EZB hat damit massenhaft Spekulanten angelockt, die sich in Euro verschuldeten, und damit Anlagen in Euros kauften. Das hat den deutschen Leitindex in ziemlich luftige Höhen getrieben. Da diese Spekulation jetzt genau in die entgegengesetzte Richtung schlägt, müssen diese Anlagen in Euro aufgelöst werden. Der Carry-Grade schlägt zurück. Entsprechend steigt der Euro, wenn diese Kredite zurückgezahlt werden. Man konnte das in den letzten Jahren in Japan beobachten. Das Europa war plötzlich das neue Japan.

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Der Gleichklang zwischen einem fallenden Euro und einem steigenden DAX ist gebrochen. Inzwischen fällt der DAX, weil der Euro steigt und der Euro steigt weiter DAX fällt. Ein Teufelskreis. Mit Wirtschaftet das nichts zu tun.
Man darf sich also auch bei der EZB bedanken, die mit ihrer Geldpolitik dafür gesorgt hat, dass ihr Segen sich in Gegenteil umkehrt. Investoren suchen das Weite, nachdem sie ihre Positionen geschlossen haben. Und wenn die aus dem DAX rausgehen, weil sie müssen, dann sehen wir das was wir gerade sehen.

Das Dumme an der Sache ist, die alten Hoch aus dem Jahr 2014 sind gebrochen. Jedenfalls sieht es im Moment danach aus. Die Wochenkerze ist dick und rot und hat mehr zu sagen als eine kleine Erschütterung im ölig geschmierten Geld- bzw. Finanzsystem. Und sie liefert eine gute Grundlage für weitere Schwierigkeiten, von Gegenbewegungen abgesehen.

 

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2 Kommentare auf "1.000 DAX-Punkte in einer Woche weg. Ist das ein Crash?"

  1. waltomax sagt:

    Minus 1100 Punkte in einer Woche. Einen greifbaren Grund für eine Trendumkehr gibt es nicht. Eher im Gegenteil. Auch ich sage, dass der kommende September „ein langer Monat“ werden dürfte.

  2. Dagobert sagt:

    So werden doch Helden – pardon – Halbgötter geboren!
    Nächste Woche verkündet Super-Mario ein paar Worte à la :„Belive me“…“whatever it takes“…“QE unlimited“… – und aus der dicken roten Wochenkerze wird noch ein richtig geiler „Hammer“ im Monatschart! Und so ganz nebenbei als glückliche (*fortuna*) Fügung werden die letzten „Ungläubigen“ dieses modernen alternativlosen(*ordini*) Finanzfaschismus durch die erneute heroische und tugendhafte (*virtù*) Manipulation der Märkte weiter dezimiert!

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