0900 – SUBSTANZAUSSCHUETTUNG

16. Januar 2011 | Kategorie: Aufgelesen, RottMeyer, Zeitlos

vom Bankhaus Rott

In Zeiten, in denen Geld scheinbar keine Rolle mehr spielt, ist trotz allem das Interesse an Dividenden ungebrochen. Selbst der Bund kam im Rahmen seines unlängst verkündeten „Sparpakets“ nicht um die Einbeziehung von Ausschüttungen herum. Die Deutsche Bahn soll nun pro Jahr €500 Mio. ausschütten, nicht an geplagte Bahnkunden sondern an die ebenfalls geplagte Bundeskasse…

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Ignoranz hier ökonomische Sachverhalte missachtet werden. Die Verpflichtung eines Konzerns zur Dividendenzahlung ist angesichts der wohl auch für Volksvertreter unbekannten Zukunft schon ziemlicher Unfug. Der Vorschlag, Einnahmen aus derartigen Zahlungen fest einzuplanen oder sogar vorzuschreiben sollte im Grunde zur Entlassung der entsprechenden Person auf Grund vollkommener wirtschaftlicher Inkompetenz ausreichen.

Nun mag der gemeine so genannte Repräsentant auf andere Unternehmen des deutschen Wirtschaftskosmos verweisen, denn zum Teil finden sich weitere Beispiele, die mit einer nachhaltigen Unternehmensführung nur schwer in Einklang zu bringen sind. Pikanterweise ist der Vorreiter einer solchen Bewegung in der BRD eine Firma, an der die Republik direkt und über die KfW mit insgesamt mehr als 30% beteiligt ist. Die Deutsche Telekom. Es ist gar nicht allzu lange her, da kündigte der Konzern in einer Pressemitteilung an, die Dividendenzahlungen in den kommenden Jahren konstant zu halten.

Von vielen wird dieser Titel demzufolge gar als „konservativer Dividendenwert“ angepriesen.

Wir halten fest: Es ist erstens unwichtig, ob ein Unternehmen Milliarden verliert, so lange es die Dividende nicht streicht. Zweitens ist es anscheinend opportun, dieses Gebaren zu allem Überfluss auch noch als defensiv einzustufen.

Wir müssen sicher nicht betonen, dass wir die genannten Einschätzungen nicht teilen. Wer eine Dividende ausschütten will, der muss das Geld verdienen. Dabei haben verschiedene deutsche Industriekonzerne die Stabilisierung der Ausschüttungen sehr gut hinbekommen, in dem sie ganz schlicht und einfach in guten Jahren Reserven aufbauen, die sie in schlechten Jahren nutzen können. Das mag nicht modern klingen, sollte es aber, auch wenn es noch aus der Zeit stammt, in der Dinge mit Geld bezahlt wurden, dass man wirklich hatte. Das scheint anderen Unternehmen dann allerdings in letzter Konsequenz nun doch zu langweilig zu sein, weshalb sie – nicht selten um die Werbetrommel vor Kapitalerhöhungen zu rühren – die Ausschüttungsquote auf 100% heraufschrauben.

Wer einen Schritt weiter geht, der schüttet einfach mehr aus als er verdient. Einige praktizieren dies über Jahre. Schaut man sich die Einkünfte und die Dividenden der Deutschen Telekom an, so kommt dem geneigten Betrachter nur noch der Begriff Substanzausschüttung in den Sinn. Die folgende Grafik zeigt einen Blick auf die Einnahmen pro Aktie (EPS) abzüglich der Dividende pro Aktie. Zum Vergleich haben wir als zweite Datenreihe die entsprechenden Werte für den Energiekonzern RWE (grün) abgebildet.

Der Unterschied ist nicht zu übersehen, wir wollen dennoch einige Fakten auflisten. Seit 1996 schüttet die Telekom laut Bloomberg pro Aktie im Mittel 0,54€ mehr aus als sie verdient. Nimmt man als höflicher Zeitgenosse das Katastrophenjahr 2002 beiseite, so verbleibt immer noch ein mittleres Minus von 0,135€ pro Aktie. Das mag sich nach wenig anhören, es kommt aber über die Jahre ein erkleckliches Sümmchen dabei heraus.

Das ist schon ein ordentlicher zweistelliger Milliardenbetrag, den man hier über die Summe der entsprechenden Einnahmen –gemessen an den EPS – hinaus ausgeschüttet hat. Wo sich hier die Nachhaltigkeit verbergen soll, bleibt unklar. Bei der Beurteilung eines Unternehmens jedenfalls, sollte nicht die Höhe der Dividende den Ausschlag geben sondern die Tatsache, ob ein Unternehmen sich derartige Ausschüttungen leisten kann. Ein Blick auf die langfristige so genannte Dividendendeckung erfordert nicht viel Zeit und ist in der Regel aufschlussreich.

Bei den Unternehmen mit staatlicher Beteiligung darf allerdings davon ausgegangen werden, dass es dem Teileigentümer statt um Nachhaltigkeit eher darum geht, einen regelmäßigen Zahlungsstrom zu erhalten. Ob dieser nun erwirtschaftet wird oder nicht, ist zweitrangig. Die Gewöhnung daran, Geld auszugeben, das man nicht hat, gehört ja nicht nur in Berlin mittlerweile zum guten Ton. Besser wird dieses Verhalten dadurch aber nicht.

 

 

 

 

 

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