0,00 Prozent! Pulver verschossen.

13. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ist er nicht super, dieser Mario Draghi aus der EZB? Dieser Kerl hat doch tatsächlich dem Geld den Zins ausgeknipst. Ein Grund zur Freude? Ein historischer Moment!

Seine Politik soll der Wirtschaft helfen. Sie hilft aber den südeuropäischen Zombie-Banken und trifft Sparer immer härter. Die Deutsche Bank hat schnell errechnet, dass die Gewinne der europäischen Banken pro Jahr um 3,2 Milliarden Euro steigen, vor allem die der im Süden. Doppelstellige Gewinne an der Börse waren das Resultat. Ein Börsenhändler sagte, Müll schwimme meistens oben…

Geld kostet jetzt nichts mehr. Dabei ist der Zins der Preis des Geldes. Wenn Geld keinen Preis hat, hat es dann einen Wert? Ja, den des Materials. Alles andere ist Täuschung und Marketing.

Umso mehr zeigt sich: Solange die Leute an einen Wert glauben, funktioniert unser modernes Geld. Doch man sollte jetzt schon darüber nachdenken, in was man dieses eigentlich doch wertlose Geld tauscht. Am besten in etwas, was die glorreichen Worte aus der EZB überdauert nach dem Motto: „Tausche Bares gegen Wahres“.

Auch dem DAX knipste Draghi erst einmal das Licht aus, als er sagte, es gäbe keine weiteren Zinssenkungen. Wie auch, bei 0,00 Prozent. Wie eine Glühbirne vor ihrem Ende flackerte der DAX kurz auf. Dann wurde es dunkel. 50 Milliarden Euro Börsenwert waren weg. Sie kamen aus dem Nichts und verschwanden dorthin auch wieder. Am Freitag waren sie wieder da. Nein, ich würde den DAX nicht abschreiben, wenn die EZB monatlich 80 statt 60 Milliarden Euro druckt. Dieses Geld sollen Banken als Kredit vergeben. Aber an wen denn? Die einen wollen keine Kredite, die anderen sind schon pleite. Vielleicht landet das Geld doch früher oder später an der Börse.

Wenn die EZB irgendwann alle Anleihen aufgekauft hat, wird sie wohl auch bei Aktien zugreifen. Beim aktuellen Stand könnte sie den DAX in einem Jahr aufkaufen. Dann wird sie gegen frisches Geld auch alte Socken und den Inhalt von Mülltonnen aufkaufen. Gehen Sie deshalb sorgsam mit Ihrem Müll um. Er könnte später ein Vermögen wert sein. Schade, dass dann das Geld gar nichts mehr wert ist.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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6 Kommentare auf "0,00 Prozent! Pulver verschossen."

  1. Skyjumper sagt:

    „Dabei ist der Zins der Preis des Geldes. Wenn Geld keinen Preis hat, hat es dann einen Wert?“

    Ist dieser Satz aber nicht nur die Hälfte der Wahrheit? Stellen wir uns mal vor, wie haben ein gedecktes Geldsystem, völlig wurscht wie diese Deckung nun aussieht. An dem logischen Gehalt des zitierten Satzes ändert sich dadurch zunächst nichts. Sehr wohl allerdings ändert sich selbst für den größten Kritiker der wahre Wert des Geldes, seines Eigentums.

    Allerdings ist es ja nun so, dass nicht jeder bei sich zu Hause die Möglichkeit, oder den Willen, hat seine Finanzwerte sicher zu verwahren. Er überträgt diese Aufgabe also einem Dienstleister. Das kann ein Tresorbetreiber sein, ein Vermieter von Schließfächern, oder aber eine Bank mit ihrem Kontosystem.

    Jedem ist klar, dass der Platz im Tresor, oder das Schließfach seinen (Miet)Preis hat. Die Dienstleistung kostet nun einmal was, und das ist auch beim Kontosystem so. Für uns als Kunden ist es derzeit so, dass sich der „Preis des Geldes“ (Zins), und der Preis der Dienstleistung für die Geldverwahrung derzeit ausgleichen und in Summe = Null ergeben.

    Ist das wirklich so ketzerisch? Der Wert des Geldes besteht für die meisten von uns nicht im Zins, sondern darin das wir dieses Geld zu quasi beliebiger Zeit in ein beliebiges anderes Gut eintauschen können. Es ist also ein Wechselmedium und ein Leistungsspeicher. Gerade für Anhänger eines wertigen Geldes sollten dies die vorrangigen Aspekte sein. Der Wert des Geldes wie er sich durch den „Zins als Preis des Geldes“ darstellt ist ein Wert aus der Welt der betriebs- und volkswirtschaftlichen Lehre, der Finanzwirtschaft, in der Geld (bzw. Kapital) ein Produktionsfaktor, ein benötiger Rohstoff ist.

    Vielleicht sollten wir uns fragen ob es richtig ist wenn wir einerseits die Finanzwirtschaft für ihre Machenschaften kritisieren, uns aber andererseits selbst durch das Wertesystem der Finanzwirtschaft in unseren Beurteilungen leiten lassen.

  2. Zaubrberg sagt:

    Fragt sich, was soll Draghi denn machen?

    • Avantgarde sagt:

      Zins bei Null und Mindestreservesatz bei 1% – mehr kann der Draghi eigentlich gar nicht machen.
      Anleihen kaufen würde nur dann einen Schub nach vorne geben wenn Länder wie D sich gleichzeitig kräftig verschulden und Investitionen in Infrastruktur anschieben.
      Und da gäbe es wahrlich genug.
      Straßen, Brücken, Schulen, Krankenhäuser, Telekommunikation, Unis……
      Vielleicht noch etwas am Deviesenmarkt spielen.
      Das war es dann aber.

      Statt dessen aber hat D sogar noch eine völlig idiotische Schuldenbremse ins Grundgesetz geschrieben. Und dabei bekämen sie sogar noch Geld für ihre Schulden….
      D.h. D Bremst und Draghi gibt Gas bei den Schulden.

      Die Überschüsse die D gerade hat werden auch nicht investiert sondern in einer gefährlich wahnsinnigen Flüchtlingspolitik verbrannt.
      Inklusive Folgekosten in Mrd-Höhe für die nächsten Jahrzehnte.

    • FDominicus sagt:

      Einfach zu beantworten. Gar nichts. Speziell nicht Zinsen festlegen sondern einen Markt entscheiden lassen. Mindestreservesystem aufgeben wäre auch hilfreich. Keine Anleihen von Staaten mehr kaufen und/oder zumindest mit entsprechenden Abschlägen.

      Den Euro auslaufen lassen und maximal das Geld von Banken bewerten. Sich vielleicht wirklich auf eine Bank der Banken zurückziehen

      Und noch spezieller: Jede Staatsfinanzierung einstellen.

      • Argonautiker sagt:

        Ist es Gewiß, daß es sich um eine Staatsfinanzierung handelt, oder könnte es sich auch um ein Aufkaufen der Staaten handeln? Quasi nach dem Prinzip einer feindlichen Übernahme. Anteile aufkaufen, Majorität schaffen,…

        Oder handelt es sich vielleicht gar um eine einvernehmliche Fusion?
        Ist das als Außenstehender überhaupt wirklich differenzierbar?

        Den Markt entscheiden lassen, also Alle, wäre gewiß sinnig. Man hätte nie davon abkommen dürfen. Andererseits ist es ebenso eine Frage, inwieweit man die Marktfrage überhaupt zur Hauptfrage des Lebens hat machen sollen? Warum hat man das Wohlfühlen, im Kopf mit einem Mehrhaben verquickt, anstatt es im Inneren angesiedelt zu lassen, wo es eigentlich wohnt?

        Und wer wollte die Mächtigen nun entmachten, und es wieder Allen geben? Freiwillig? Das wäre wohl die einzige friedliche Lösung. Die Wahrscheinlichkeit dazu ist schätzungsweise gering. Also müßte ein noch Mächtigerer her, der das umzusetzen vermöchte. Nur was passiert mit seiner Machtposition, wenn er das erledigt hätte? Gibt er die dann freiwillig wieder her? Und was wenn nicht, und erst ein noch Mächtigerer ihn vertreiben kann? Nimmt er dann seine Position ein, oder…? Das komplette System ist durch Macht Positionen von oben nach unten konfiguriert.

  3. Argonautiker sagt:

    Die POSITION eines Draghi ist schon mehr als fragwürdig, und hat mit Demokratie und freier Marktwirtschaft nicht mehr viel zu tun. Daß ein Mann, (natürlich in Abstimmung mit vielen anderen „wichtigen“ Männern) so viel Macht in einem System ausüben kann, welches für alle bedeutsam ist, und nicht in den Händen aller liegt, ist schon falsch.

    Da stimme ich @skyjumper zu. Das bringt hervor, daß nicht mehr alle an der Erzeugung der Marktregeln beteiligt sind, sondern die Regeln von Wenigen diktiert werden, und das Groß eben auch an deren Regeln glauben. Leider ist es so, daß sie das auch müssen, weil es eben der Position Draghis geschuldet ist und nicht Draghi als Person. Wäre Draghi weg machte es halt ein Anderer. Es ist die Position die das ermöglicht.

    Und da finde ich die Aussage von @Avantgard treffend, denn genau so ist es, ein Vollgas geben bei angezogener Bremse. Das Volle Gas bekommt die Hochfinanz ab, denn die verdienen sich gerade schwindelig und können sich in reale Werte einkaufen bis zum geht nicht mehr, und die Bremse kommt beim einfachen Menschen an, wodurch die erst so schwach werden, daß man ihnen alles wegkaufen kann.

    Ich schätze die Schuldenbremse Schäubles hatte also ausschließlich den Sinn das Volk zu schwächen. Ein schwacher Mensch ist so herrlich dirigierbar. Man darf nie vergessen, wir haben es mit Mächtigen zu tun. Ein Mächtiger tut nichts, sondern er manipuliert nur zum Tun in seinem Sinne, und das schafft er durch die Schaffung einer mächtigen Position.

    Ich fürchte, das hat alles mit dem geplanten Neustart des Systems zu tun. Die Schwächung des Volkes und das Einleiten in Kriege gehört mit dazu, denn das Alte muß zerstört werden, damit Patz für das Neue entstehen kann. Jedenfalls wenn man das Neue nach dem Plan Weniger konstruieren, und nicht durch alle Beteiligten wachsen lassen will. Dazu schafft man Positionen.

    Das ist nichts anderes als wenn ein Großkonzern in einem gewachsenen Viertel eine Shoppingmall plant. Man kauft sich langsam ins Viertel ein, gewinnt so Dominanz, erhöht die Preise, verdrängt dadurch das Gewachsene, zwingt die Verdrängten über ihren so entstandenen Mangel das Gewachsene sogar selbst abzureißen, und läßt die Überlebenden dann das Geplante und fortan von ihnen kontrollierte aufbauen.

    Macht erhält sich über die Schaffung von Positionen. Nicht Dgraghi ist das Problem, sondern die Position eines Draghis.

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